Raffiniert wie der Roman

Filidei: Il nome della rosa MAILAND | TEATRO ALLA SCALA

Opernwelt - Logo

Was hätte ein Komponist Umberto Eco unternommen, wenn er sein Opus «Der Name der Rose» nicht in den 1980er-Jahren als Roman, sondern heute als Musiktheater geschrieben hätte? Mit dieser Frage im Kopf begann der Komponist Francesco Filidei seine Arbeit an der Opernversion eines der größten internationalen Bucherfolge des ausgehenden 20. Jahrhunderts – übersetzt in mehr als 40 Sprachen, rund 50 Millionen Mal verkauft, spektakulär verfilmt 1986 unter der Regie von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery in der Hauptrolle.

Filidei übernimmt vom Originalroman die raffinierte, rosengleiche symmetrische Struktur: zwei Akte mit jeweils zwölf Szenen, aufgebaut auf einer fächerförmigen Intervallstruktur. Ein Prolog leitet den ersten Akt ein, der letzte endet mit dem «Ultimo folio», dem «letzten Blatt», das die formale Symmetrie des Werks vollendet. Diese Konzeption ist besonders für Musikwissenschaftler ein Genuss, doch das Publikum verlangt nach mehr als nur Struktur. Filidei entscheidet sich für eine fesselnde Musiksprache: klanglich komplex, orchestral fein gearbeitet, reich an Anspielungen – mal offensichtlich, mal verborgen – auf Komponisten wie Wagner, Verdi, Mahler, Puccini. Manche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Stefano Nardelli

Weitere Beiträge
Der Mensch im Tier

Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...

Vergeigt

Das falsche Stück zur falschen Zeit am falschen Ort: So lautet das traurige Fazit nach der Uraufführung von «Adam und Eva» zur Eröffnung der diesjährigen Schwetzinger SWR-Festspiele. Angekündigt war Mike Svobodas Musiktheater nach dem gleichnamigen Schauspiel des einstigen Erfolgsautors Peter Hacks, der 1955 aus politischer Überzeugung von der BRD in die DDR...

Seismograph des Unbewussten

Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten...