Dramatische Poesie
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael Spyres, der auch sängerisch seine Kollegen Brownlee und Alaimo in den Schatten stellt.
Zweifellos ist Spyres durch die Auswahl der Stücke begünstigt, unter denen sich mehrere Lieder finden, die das Etikett «Meisterwerk» verdienen. Donizetti erscheint als herausragender Vertreter der französischen Mélodie, noch vor der definitiven Etablierung dieser Gattung in der französischen Musik. Zum Beispiel «Le violon de Crémone»: Dort gestaltet der Tenor im Dialog mit einer obligaten Violine in Kurzform das, was wir als Antonia-Akt aus Offenbachs «Les Contes d’ Hoffmanns» kennen. Oder die erst kürzlich entdeckte Elegie auf den Tod des Sängers Adolphe Nourrit («Si tu m’as fait à ton image»), die zu den anrührendsten Kompositionen gehört, die Donizetti je geschrieben hat – bis hin zum harschen Ende, wenn für die «mit erstickter ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Anselm Gerhard
arte
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