Dramatische Poesie
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael Spyres, der auch sängerisch seine Kollegen Brownlee und Alaimo in den Schatten stellt.
Zweifellos ist Spyres durch die Auswahl der Stücke begünstigt, unter denen sich mehrere Lieder finden, die das Etikett «Meisterwerk» verdienen. Donizetti erscheint als herausragender Vertreter der französischen Mélodie, noch vor der definitiven Etablierung dieser Gattung in der französischen Musik. Zum Beispiel «Le violon de Crémone»: Dort gestaltet der Tenor im Dialog mit einer obligaten Violine in Kurzform das, was wir als Antonia-Akt aus Offenbachs «Les Contes d’ Hoffmanns» kennen. Oder die erst kürzlich entdeckte Elegie auf den Tod des Sängers Adolphe Nourrit («Si tu m’as fait à ton image»), die zu den anrührendsten Kompositionen gehört, die Donizetti je geschrieben hat – bis hin zum harschen Ende, wenn für die «mit erstickter ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Anselm Gerhard
JUBILARE
Ihren 80. Geburtstag feiert am 9. Juni Nike Wagner. Von 2004 bis 2013 leitete die Tochter Wieland Wagners das Kunstfest Weimar, dem sie den Namen «Pélerinages» gab. Von 2014 bis 2021 war die Urenkelin von Franz Liszt Intendantin des Beethovenfests Bonn. Zweimal bewarb sich die anerkannte Publizistin und Dramaturgin für die Leitung der Bayreuther...
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an,...
