Es geht auch ohne dunklen Anstrich
Verdis «Otello» ist ein grandioses Stück Theater. Es funktioniert auch noch, nachdem gewisse Kreise die Parole des Blackfacing-Verbots ausgegeben haben. Wobei – dies sei in Erinnerung gerufen – der ursprüngliche Otello, der Held einer 1566 erschienenen Erzählung des Renaissance-Schriftstellers Giambattista Giraldi Cinzio, eigentlich gar kein people of colour war, sondern lediglich mit Nachnamen «Moro» hieß.
Sei’s drum.
In Bremen entschied sich Frank Hilbrich, der regieführende Oberspielleiter des Hauses, für eine Variante ohne schwarze Farbe und führt die Verdi-Oper als ein Psycho-Drama vor, das es in sich hat. Wobei Jago als Vertreter des abgrundtief Bösen alle Fäden in der Hand hält, um den zu Beginn strahlenden Titelhelden nach und nach und dabei fast unmerklich zu demontieren, um ihn schließlich zu Boden zu zwingen. Michał Partyka agiert dabei mit einer Überzeugungskraft, die sich nicht lautstark in den Mittelpunkt spielt, sondern gerade in den leisen, teuflisch schleichenden Untertönen fesselt. Stimmlich lotet sein expressiver Charakterbariton alle Nuancen dieser von Verdi so ungemein differenziert gestalteten Gesangspartie aus. Das nihilistische «Credo» konnte einem in seiner ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Gerhart Asche
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem...
Wie Leoncavallo, Delibes oder Ponchielli ist auch Bizet der Komponist einer einzigen Oper. Wer kennt im Ernst mehr als seine «Carmen»? Gewiss, auch «Les Pêcheurs de perles» werden gelegentlich aufgeführt. Doch vor allem, weil es sich um eine One-Hit-Oper handelt. Im Fokus steht das Duett von Tenor und Bariton, die zu Flötentönen die verführerische Schönheit einer...
Nicht Welten trafen im März 2016 in München aufeinander, eher Galaxien. Mahlers «Lied von der Erde» im Nationaltheater: Das war ein Grand mit drei Buben. Drei (durchaus sympathische) Streber standen da einem gegenüber, die auch ohne Hausaufgaben das Klassenziel erreichten, weil ihnen offenbar alles in den Schoß fiel. Hier Kirill Petrenko, der penible Abschmecker,...
