Rätselhafte Paralyse
Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht vorbereitet war.
Eine Zeit lang behalf auch ich mir mit diesen Sätzen von der «Corona-Krise als Chance» und entwickelte Konzepte, um das alles irgendwie kreativ zu nutzen.
Dann wurde mir stetig bewusster, dass man meine Lebensader angegriffen hatte, meinen Beruf, meine Weltanschauung, meine Kommunikation mit der Welt, den Austausch mit den Menschen, den Rezipientinnen und Rezipienten unserer Kunst. Meine Souveränität war angegriffen. Aber nicht das Virus attackierte mich, sondern die, die es verwalteten.
Gut, wir waren anfangs alle verwirrt und unsicher. Schwierig wurde es – zumindest für mich als Theatermacher –, als diese alerten Klugscheißer auftauchten, die empfahlen, die Kunst doch einfach den neuen Gegebenheiten anzupassen, das habe sie in Krisen doch immer getan. So einfach ist es aber nicht. Schon gar nicht, wenn ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 48
von Martin Kušej
61. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752337
REDAKTION OPERNWELT
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