Sehnsucht nach Transzendenz
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die in allem schwingen.
Was ihn antreibt, den Künstler wie den Beobachter der Zeitläufte, ist die Frage nach dem metaphysischen Ort unserer modernen Lebenswelt, nach den Wurzeln einer durch Zweckrationalität gefährdeten Schöpfung. So gilt sein suchendes Interesse primär der transzendierenden Dimension von Musik, Poesie, Tanz und Theater, dem ihrer geistig-ästhetischen Gestalt eingeschriebenen Vermögen, uns mit dem Atem der Götter, dem Herzschlag des Universums zu verbinden.
In seinen besten Arbeiten hat Willy Decker diese Rückbesinnung auf die spirituell-rituellen Ursprünge des Bühnenspiels gleichsam unter der Hand sichtbar gemacht, unerschöpfliche Tiefe an der Oberfläche streng komponierter Gesten, Bewegungen und Bilder gezeigt. Dass er die Intendanz der Ruhrtriennale (2009–2011) nutzte, um – konsequent jenseits ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im...
Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht...
Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der...
