Eine neue Identität

Opernwelt - Logo

Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es gestehen – für mich bedeutete diese Zeit primär die einmalige Chance, der Entwicklung meiner Stimme Raum zu geben.

Einer Entwicklung, die sich schon eine Weile angedeutet hatte, der ich im «laufenden Betrieb» aber nicht nachgehen konnte: Corona bot mir die Möglichkeit, diese Monate zu nutzen, einen Fachwechsel vom lyrischen Sopran zum Mezzosopran vorzubereiten.

Gleich voraus: Ich meine damit natürlich nicht den schwarzen Alt. Es geht um die Tessitur, in der ich mich vorzugsweise bewege, die beim Mezzosopran eben ein wenig tiefer liegt, aber durchaus Ausflüge in die Höhe oder Tiefe zulässt. Diese «Vermittlerin» zwischen Alt und Sopran gab es zwar biologisch sicher schon immer, aber früher hieß sie «zweiter Sopran» oder «soprano corto». Noch bei Mozart, erst recht bei Bach sucht man solche Bezeichnungen vergebens. Aber das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 47
von Anna Lucia Richter

Weitere Beiträge
Nur Mut!

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der starb, als in Berlin gerade die Cholera ausgebrochen war, hat darauf hingewiesen, dass wir erst mit dem Ende erkennen können, wann und wie etwas begonnen hat. Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann sieht darin auch heute eine sinnfällige geschichtsphilosophische Feststellung: «Denn sie zeigt, dass die Einschätzung der...

TV-Klassiktipps September/Oktober 2020

alpha

Wagner: Der Ring des Nibelungen
Als Alternativprogramm zu den Bayreuther Festspielen wartete ARD-alpha mit einem Highlight der Operngeschichte auf: BR-KLASSIK und die Bayreuther Festspiele präsentierten im August im Rahmen einer großen «Ring-Nacht» die legendäre Inszenierung von Patrice Chéreau mit Pierre Boulez am Pult. Die Ankündigung erfolgte kurzfristig...

Unter dem Brennglas

Wir leben im Zeitalter der Beschleunigung. Höher, schneller, weiter – das ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken galt bislang als gesellschaftskritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie Theater- und Kunstproduktion Relevanz entfalten...