Qualitätskontrolle
Die disruptiven Kräfte des Internets haben unzählige neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle geschaffen, gleichzeitig aber auch Altes geschwächt oder gar zerstört. Dabei will ich gar nicht verhehlen, dass mir die Entmachtung einiger traditioneller Power Broker und Gatekeeper im Sinne des Fortschritts sehr zupass kommt. Die bisherige Ordnung ist jedenfalls gehörig durcheinander gebracht worden. So wie im Musikbereich YouTube, Spotify & Co.
dafür gesorgt haben, dass die jüngere Generation mehrheitlich schon seit Jahren keine Notwendigkeit mehr sieht, für Musik relevantes Geld ausgeben zu müssen, hat sich auch die Erwartungshaltung gegenüber journalistischen Angeboten gewandelt. Warum sollte man sich noch Tageszeitungen oder Zeitschriften kaufen, wenn doch zu ohnehin allem scheinbar alles umsonst im Netz zu finden ist? Wieso tageweise auf Zeitungen warten, geschweige denn auf monatlich erscheinende Fachzeitschriften, wo doch diverse Portale quasi in Echtzeit berichten und in den sogenannten sozialen Medien – ob schriftlich oder in unmittelbaren Reaktionsvideos – schon längst alles vielfach kommentiert wurde?
Das Phänomen lässt sich allgemein in fast allen Bereichen des Konsums ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 112
von Sebastian Solte
Die Musikkritik sieht sich heute selbstverständlich denselben Problemen gegenüber wie die von ihr besprochene Musik selbst, denn in einer formatierten Welt des like und dislike hat es der Wunsch nach Differenzierung schwer. Die Verschiebung jedweden Urteils einer unbegrenzten Anzahl von Richtern in die öffentlichen Medien hat eben nicht nur Vorteile; ein Nachteil...
Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens hat eine Debatte um seine einzige Oper neu entfacht, die spätestens seit dem 1986 erschienenen «Fidelio»-Buch von Willy Hess und der 1997 unter John Eliot Gardiner unter dem originalen Titel «Leonore» eingespielten Urfassung nicht nur Experten beschäftigt. Wie sind die vom Komponisten vorgenommenen Bearbeitungen des ersten...
Nichts ist ungeheurer als der Drache – allerdings nur so lange, wie er wütet zwischen den Menschen. Jenes Monstrum jedoch, das Paul Dessau in seiner Oper «Lanzelot» auf ein mal düster-dräuendes, mal sarkastisch schmatzendes Libretto von Heiner Müller besang (dem wiederum die wunderbar traurige Parabel «Der Drache» von Jewgeni Schwarz zugrunde lag), schlief nach...
