Dirigenten des Jahres

Kirill Petrenko

Für ihn gilt, weit mehr als für andere Granden seiner Zunft, ein Satz von Elias Canetti aus dessen Essayband «Masse und Macht»; ein Satz, der allzu gerne unterschlagen wird. «Der Dirigent», heißt es da relativ zu Beginn, «hält sich für den ersten Diener an der Musik. Er ist von ihr so erfüllt, dass ihm der Gedanke an einen zweiten, außermusikalischen Sinn für seine Tätigkeit gar nicht kommen kann». Kirill Petrenko hat sein Tun immer so verstanden: als Dienst am Werk.

Er, der Maestro (der sein Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper im Sommer niedergelegt hat), verschwindet dahinter, aber nur, um das von ihm Gestaltete in umso mannigfaltigeren Farben aufscheinen zu lassen. Und das buchstäblich: Petrenko dirigiert im Grunde nicht Oper (im Sinne des lateinischen Ursprungs dieses Begriffs dirigere – leiten, lenken, führen), er leuchtet sie aus wie ein Lichtdesigner, nur eben mit einem Zauberstab in der Rechten. Das Überwältigende daran ist – neben einer schier unfassbaren Präzision – die Hartnäckigkeit, mit der er, wie beispielsweise in dieser Spielzeit bei der «Toten Stadt» von Erich Wolfgang Korngold in München, noch die unsichtbarsten Ecken dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 50
von Red.

Weitere Beiträge
Den Musen näher als Merkur

Als Wolfgang Amadeus Mozart 1790 zur Kaiser-Krönung Leopolds II. nach Frankfurt reiste, erhoffte er sich über die Anerkennung hinaus auch finanziellen Gewinn, doch das Ergebnis war «in betreff des Geldes mager». Und Mozart, der immerhin die Klavierkonzerte KV 459 und 573 gespielt hatte, reagierte verärgert: «Übrigens sind die Leute hier noch mehr Pfennigfuchser als...

Herrn Abrahamsens Gespür für Schnee

Schon als Kind war Hans Abrahamsen fasziniert von Schnee. In allen vielgestaltigen Erscheinungsformen weckte das geheimnisvolle Naturphänomen seine Bewunderung. Bis heute findet sich ein mannigfaches Echo dieser Verzauberung in der Musik des dänischen Komponisten, auch wenn sich deren Klangwelten nicht darauf reduzieren lassen. Abrahamsen wurde am 23. Dezember 1952...

Diskurs mit der Community

Wenn der Musikjournalismus stirbt, dann stirbt die Opernkritik zuletzt. Wenn auch seltener und kürzer, hält sie sich noch im Feuilleton und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Stichprobe in der Schweizer Mediendatenbank zeigt, dass die Berichterstattung sogar zunimmt. Dass die Opernkritik dabei sturmfester ist als die Berichterstattung über andere Gattungen,...