Konventionell
Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt, dass dieser Abend böse enden wird.
Bühnenbildnerin Elisabeth Pedross hat in die Rückwand des bröckelnden Palazzos, der ebenso gut eine Kirchenruine sein könnte, ein riesiges Loch gerissen, das hinter der zunächst eifrig kreisenden Drehbühne gähnt. Julias Balkon ragt links wie eine Kanzel ins Geschehen, die rückwärtige Öffnung dient reibungslosen Chorauftritten; rechts haust in einer Art Verschlag ein E-Bass-Barde, der sich später als Bruder Laurent entpuppt (markant, mit sonorer Basstiefe: Woong-jo Choi).
Hausregisseurin Ewa Teilmans verlegt Gounods Oper in eine unbestimmte Zeit; Andreas Beckers Kostüme kombinieren nostalgischen Maskenball-Pomp und Tunten-Chic mit heutiger Alltagsmode – der pittoreske Bühnenrahmen lässt Gegenwärtigkeit allerdings nicht aufkommen. Teilmans buchstabiert das bei Gounod sich nur langsam ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 28
von Regine Müller
Die Stücke, die Kurt Weill nach seiner Vertreibung aus Nazi-Deutschland für den Broadway schrieb, wurden, da dem Kultur- und Lebensstil Amerikas verpflichtet, in Europa lange kaum beachtet, tauchen aber inzwischen doch häufiger auf den Spielplänen auf – zuletzt «Love Life» in Freiburg (siehe OW 2/2018). Jetzt zieht Münster mit der 1947 uraufgeführten, nach wie vor...
Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das programmatisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...
Laut landläufiger Meinung muss der Tod ja ein Wiener sein. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn was das vorzeitige Ableben betrifft, bleibt London das unangefochtene Kompetenzzentrum für den stilvollen Exitus. Stephen Sondheim hat mit seinem Musical um Sweeney Todd, den serienmordenden Meisterbarbier aus der Fleet Street, den Mythos noch einmal zementiert:...
