Psychologie der Töne

Montpellier, Pergolesi: Salustia

Salustia liebt ohne Berechnung, ohne Überspanntheit, ohne Egoismus. Sie ruht in sich und wächst mit den Herausforderungen des Schicksals. Sie erkennt, wie schwer es ist, im Umfeld der politischen Intrigen des römischen Kaiserreiches integer zu bleiben oder einfach nur ein guter Mensch. Dabei ist sie nicht devot oder eine Heilige, auch sie kennt die Versuchung, Rache zu üben. Aber sie widersteht und lässt den ehrwilligen Vater, den schwachen Gatten, ja sogar die rasend herrschsüchtige Schwiegermutter langsam an ihrem jeweiligen Weltbild zweifeln.

Während ihre Opernschwester Griselda eine reine Märtyrerin ist, bleibt Salustia in jeder Phase völlig glaubwürdig. Kurzum: Sie ist einer der wenigen wirklich großen Operncharaktere des Barock. Umso erstaun­licher ist es, dass ein nach ihr benanntes Ausnahmewerk bisher unentdeckt blieb.
Giovanni Battista Pergolesi ist uns heute trotz aller geschichtlichen Mystifizierungen eigentlich nur durch sein «Stabat Mater» und «La serva padrona» bekannt, viele Werke wurden ihm fälschlich zugeschrieben. Die Aufführung seines grandiosen Erstwerks war an makabren Umständen gescheitert. Apostolo Zenos Libretto «Alessandro severo» war 1731 für den berühmten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele II, Seite 56
von Clemens Goldberg

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wielands Brangäne

Die amerikanische Mezzosopranistin Grace Hoffman, die am 26. Juli 2008 im Alter von 82 Jahren in Stuttgart gestorben ist, war gewiss keine Künstlerin, die in die Annalen des Gesangs eingeht. Aber sie war eine Vertreterin jener im Zeitalter des musikalischen Jetsets rar gewordenen Spezies, die trotz aller internationalen Gastverpflichtungen über mehr als dreißig...

Adel verpflichtet

Als Schüler hatte ich das englische Magazin «Opera» abonniert, in dem den Premieren und Wiederaufnahmen des Royal Opera House naturgemäß breiter Raum gegeben wurde. Viele der Aufführungen, die ich dort beschrieben fand und die ich nur zu gern miterlebt hätte, finde ich nun zumindest als Tonkonserve in einer neuen Reihe «Heritage Series» wieder, die von der Oper...

Von Schuld und Sühne, Tod und Leben

Der Titel sticht ins Auge, noch bevor die Ohren angeschaltet sind. «Gods, Kings & Demons» – so prangt, neben kosmisch-solarer Scheibe, das wohlgewählte Wort-Dreigestirn auf dem Booklet der ersten Soloaufnahme des deutschen Bassisten René Pape mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Sebastian Weigle. Es sei dies, erfahren wir dann von Pape, eine...