Prophylaktische Vorsicht: ein Buch zum 100. Geburtstag von K. A. Hartmann

Komponist im Widerstreit. Ein neues Buch über Karl Amadeus Hartmann

Am 2. August 2005 jährt sich der 100. Geburtstag von Karl Amadeus Hartmann – für Ulrich Dibelius und seine Mitstreiter der Anlass, über Leben und Werk dieses Unzeitgemäßen nachzudenken. «Wahrheit, die Freude bereitet und mit Trauer verbunden ist» – dies Hartmanns Leitspruch –, hat zu keiner Zeit Konjunktur.

Diese Verklammerung von tiefer Trauer und optimistischer Lebensfreude, von schwerblütiger Melancholie und bajuwarischer Diesseits-Leidenschaft – darauf weist Ulrich Dibelius in seinem zusammenfassenden Schlussbeitrag hin –, charakterisiert alles, was der Ausdrucks- und Bekenntnismusiker Hartmann in seinem Leben komponiert hat. Der Band spannt den Bogen von den stürmischen Anfängen in den späten zwanziger Jahren über das antifaschistische Engagement des inneren Emigranten während der Nazizeit bis hin zum Œuvre des bedeutendsten Symphonikers der Nachkriegszeit. Hartmann war stets ein politisch engagierter Humanist und zugleich ein höchst selbstkritischer Künstler, ja skrupulöser Arbeiter, dessen Werke bis ins Letzte ausgefeilt und ausgehört sind. Als er nach 1945 endlich die Möglichkeit gehabt hätte, alle seine während der Nazi-Diktatur für die Schublade geschriebenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: magazin, Seite 26
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unversöhnt

Ferruccio Busonis «Doktor Faust» ist eines der Hauptwerke des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts. Der deutsch-italienische Komponist konnte die Oper, die er gleichsam wie ein Monument über sein gesamtes Schaffen stülpte, nicht mehr abschließen. In Stuttgart – und zuvor in San Francisco (siehe OW 8/2004) – kam sie erstmals ohne die Ergänzungen Philipp Jarnachs bzw....

Kopenhagen, Wagner: Siegfried

Mit der dritten Lieferung ist Kopenhagens «Ring»-Zyklus endlich im neuen Opernhaus angekommen – und dieser Szenenwechsel hat Regisseur Kasper Bech Holten und seinem Team neue Möglichkeiten eröffnet.
Nach einem «Rheingold», das in den zukunftsseligen, ausschweifenden Zwanzigern, und einer «Walküre», die in den Fünfzigern angesiedelt ist, hat man sich mit «Siegfried»...

Eisenach, Mozart: Die Zauberflöte

In Eisenach gibt es keine Zauberflöte in der «Zauberflöte». Zwar muss dort drastisch gespart werden, doch in diesem Fall steckt eine Absicht dahinter, wenn das Instrument durch eine Partitur ersetzt wird. Peter Konwitschnys inzwischen weithin anerkannte Meisterschülerin Vera Nemirova hat in ihrer Deutung auch sonst einiges verblüffend «anders» gemacht. Sie beginnt...