Der zärtliche Blick aufs Furchtbare
Sitz!», herrscht uns die junge Frau an, und: «Platz!». Beinahe geben wir Pfötchen. Der Imperativ freilich ist lautlos, ein aufgedruckter Slogan auf ihrem T-Shirt als Platzanweiserin bei den diesjährigen Wiener Festwochen. Ein witziger Einfall, scheint’s, wie der auf Plakaten erscheinende Cartoon mit dem scheckigen Hund, dem ein junger Mann mit gelber Krawatte sanft den Kopf tätschelt. Doch plötzlich, auf dem letzten Bild, hat der Hund die abgebissene Hand des Tätschlers im Maul.
Tuet Böses denen, die euch lieben? Nicht ganz.
«Sitz!» sowie das herablassende Tätscheln stehen vielmehr für eine Haltung, wie Menschen sie wohl nicht nur bei Hunden, sondern häufig auch gegenüber anderen Menschen einnehmen, Reiche gegenüber Armen, Westler gegenüber Ostlern, Erstweltler gegenüber Drittweltlern. «Grenzen und Ausgrenzung» heißt denn auch das Motto der Wiener Festwochen in diesem Jahr.
Claus Guth greift es in seiner Inszenierung von «Lucio Silla», der aufbruchsbereiten Opera seria des knapp siebzehnjährigen Mozart, auf seine Weise auf: Die Geschichte von der erfolglosen Liebeswerbung des römischen Diktators Silla um die Gunst von Giunia, der Braut seines Erzfeindes Cecilio, spielt hier in ...
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Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
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Am 2. August 2005 jährt sich der 100. Geburtstag von Karl Amadeus Hartmann – für Ulrich Dibelius und seine Mitstreiter der Anlass, über Leben und Werk dieses Unzeitgemäßen nachzudenken. «Wahrheit, die Freude bereitet und mit Trauer verbunden ist» – dies Hartmanns Leitspruch –, hat zu keiner Zeit Konjunktur. Diese Verklammerung von tiefer Trauer und optimistischer...
Noch vor fünfzig Jahren gehörte d’Alberts «Tiefland» – genau wie Flotows «Martha» und Lortzings «Undine» – zum unverzichtbaren Standardrepertoire des deutschen Stadttheaters. Nachdem diese Werke, nicht zuletzt auf Grund einer wohl durch die Achtundsechziger ausgelösten Intellektualisierung des Musiktheaters, fast vollständig von unseren Spielplänen verschwunden...
