Märchenstunde auf dem Lande
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals. Während der achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war das noch anders, gab es gelegentlich durchaus Platz für kontroverse Arbeiten.
Die Inszenierung von Dvoráks «Rusalka» hatte man einer Operndebütantin anvertraut: Melly Still machte sich in Großbritannien mit Kindermärchen nach den Gebrüdern Grimm einen Namen, ihre Einrichtung des preisgekrönten Jugendstücks «Coram Boy» lief am Londoner National Theatre und in New York. Für ihr erste Musiktheaterregie habe sie sich vor allem von Pina Bausch inspirieren lassen, gab Melly Still zu Protokoll. Zu sehen ist davon in ihrer geschäftigen «Rusalka» so gut wie nichts. Statt auf der Bühne in Gestik und Bewegung Elemente einzuführen, die etwa die Entfremdung zwischen der höfischen Welt des Prinzen und der Naturwelt der Nixe ausloteten, begnügte sie sich mit einem ...
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Wenn die Nachricht stimmt, ist es eine gute: Kirill Petrenko soll den Bayreuther «Ring» zum Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Das sagt mehr, als die beiden Halbschwestern, die die Festspiele in diesem Sommer erstmals leiten, sonst im Moment sagen wollen und können. Es bedeutet nämlich, dass Bayreuth bis 2015 glänzend aufgestellt ist, was die Dirigenten betrifft. Die...
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die...
Zwischen 1760 und 1780 genoss kein italienischer Komponist in Europa höheres Ansehen als der 1728 in Bari geborene Niccolò Piccinni (eigentlich: Nicola Vito Picinno). Mozarts Bemerkung in einem 1778 aus Paris geschickten Brief an den Vater, «dass ich so viell kann als [...] Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin», spricht für sich. Heute steht von den mehr als...
