Nirwana des Schönklangs

Strauss: Salome in Barcelona

Opernwelt - Logo

Über den Charakter seiner Salome war sich Oscar Wilde im Arbeitsprozess lange unschlüssig. War sie nun eine Femme fatale wie auf den Gemälden Leonardo da Vincis und Gustave Moreaus, die ihn sehr inspirierten, oder eine Femme fragile wie auf einem Bildnis Bernardino Luinis? «Ihre Wollust muss unermesslich, ihre Pervertiertheit grenzenlos sein», notiert er einmal. Doch an anderer Stelle behauptet er wieder: «Ihre Schönheit hat nichts Sinnliches … in ihren Pupillen leuchtet die Flamme des Glaubens.

» Tatsächlich lässt Wilde in einem frühen Entwurf des Stückes Salome als Jüngerin Jesu enden.
Die Faszination, die von der Figur in der Opernfassung ausgeht, erklärt sich gerade aus der Dialektik von «fatale» und «fragile», von Grausamkeit und kindlicher Unschuld. Sängerinnen wie Ljuba Welitsch, Christl Goltz und Inge Borkh, später auch Anja Silja haben in der Nachkriegszeit unser Bild von der Figur geprägt. Mit großer Spannung wurde deshalb das Rollendebüt von Nina Stemme in Barcelona erwartet.
Nina Stemme ist weder vom Typ noch vom Stimmcharakter her eine Kindfrau. Wenn sie in Guy Joostens Neu-Inszenierung im weißen Kleidchen, mit blondem Pferdeschwanz, neckisch herbeihüpft, so ist dies ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Viva Napoli!

Maestro Muti, Sie sind ein leidenschaftlicher Anwalt der Musik Ihrer Heimatstadt Neapel. Umso mehr erstaunt es, dass Sie sich bei Rossinis «Moses» nicht für die neapolitanische Urfassung, sondern für die spätere französische Version entschieden haben...
... weil die zweite Version einfach die bessere ist. Rossini hat hier die Möglichkeit einer Überarbeitung genutzt,...

Vor den Augen eines Wolfes

In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...

Glänzend disponiert

Die Enttäuschung darüber, dass der von Stress und Pech verfolgte Rolando Villazón sich nicht in Baden-Baden für die Rolle des Werther würde einfinden können, war groß. Viele Besucher machten Gebrauch von dem Angebot, die Karten zurückzugeben. Sie verpassten so nicht nur eine glänzend disponierte Elina Garanca, deren Charlotte vergessen machte, dass «Werther» die...