Vergissmeinnicht

Opernwelt - Logo

Auf der Bühne des Berliner Radialsystems V ist, abgesehen von den Musikern, keiner unter sechzig: In «Dem Weggehen zugewandt», einem Projekt von Union Universal und dem Solisten-ensemble Kaleidoskop, geht es um Alter, körperliches Versagen, Demenz, Tod. Sechs Darsteller, die mit den Streichinstrumenten feste Beziehungen eingehen, rezitieren teils klischeehafte, teils anrührende Texte von Ilse Helbich.

Weil Musik Verschüttetes zurückholen kann, hat die Komponistin Manuela Kerer die «neuro-logischen Prozesse des Erinnerns und Vergessens in musikalische Strukturen» übersetzt. Der eigens gegründete «Chor der Alten» bleibt eher gute Absicht als stücktragend – er darf murmeln oder deklamieren, aber nur zweimal wirklich singen. Das intime Thema wäre im dichten Kammerspiel vielleicht besser aufgehoben. Wir loben uns die «Machina Recordatio» draußen auf der Terrasse: In dem seltsamen Holzcontainer können wir Tonbändern mit Erzählungen alter Menschen lauschen, ungestört, ganz für uns.    
 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Elf Personen suchen einen Stoff

Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...

Ringen um Richard

Ist das Richard Wagner? Ist das der an mangelndem Selbstbewusstsein wahrlich nicht leidende Meister von Bayreuth, der Zukunftsmusiker, der da auf dem Boden kniet und sich verzweifelt die Ohren zuhält? Und das in Gegenwart eines Frauenterzetts, das ihm sein eigenes «Hojotoho» entgegenschleudert. Ist das jener R., den Ehefrau Cosima in ihren Tagebüchern als «doch...

Generation Onegin

Jahrzehntelang bekamen Regisseure, die schöpferisch mit klassischen Werken umgehen, zu hören, sie sollten doch lieber neue Stücke schreiben. Genau das ist jetzt beim dritten «Infektion!»-Festival der Berliner Staatsoper geschehen. Seine beiden repräsentativen Uraufführungen sind Opern über Opern. Claus Guth und Helmut Oehring haben im Schiller Theater Henry...