Hell und dunkel
Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten durchgeistern mit riesigen, geschwollenen Pappköpfen die Szenerie. Sie sollen wohl eine bis zur Groteske verzerrte Künstlergilde darstellen.
Die «echten» Meister sind allerdings auch eher merkwürdig, basteln an Musikinstrumenten, wippen und tänzeln. Alden zeigt hier Karikaturen, die manchmal zu (Alp-)Traumfiguren mutieren, welche vor allem den verschlagenen Sixtus Beckmesser (exzellent: Adrian Eröd) heimsuchen. Dieser Beckmesser wirkt äußerst seltsam. Erst trägt er ein Glitzerkleid, dann Strapse, sein finales Preislied singt er aus einem Krankenbett. Demgegenüber ist Walther von Stolzing (mit edlem Timbre: Roberto Saccà) ein harmloser Geselle, obwohl er am Ende in lohengrinhafter Ritterrüstung auftritt und mit seiner angebeteten Eva (ein akustischer wie optischer Genuss: Agneta Eichenholz) wohl für immer der ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jörn Florian Fuchs
Mitte Juni kehrt Berlin jedes Jahr seine skandinavische Seite nach außen. Dann leuchtet’s noch um Mitternacht schlierig-blau am Himmel, und plötzlich ist unübersehbar, wie nah der Norden doch liegt. Das gilt auch umgekehrt: Für Künstler, denen Stockholm und Kopenhagen nicht genug sind, gehört Berlin zu den ersten urbanen Agglomerationen auf dem Weg nach Süden....
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das...
Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind...
