Postsozialistisches Roulette

Tschaikowskys «Pique Dame» gerät an der Komischen Oper Berlin unter russische Parvenus. Ein Glück, dass Anja Silja als Gräfin gegensteuert

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Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze auf den Spielplan zu setzen.
Eine Spieleroper in Zeiten der Finanzkrise? Das wäre ein Ansatz. Aber so weit geht Thilo Reinhardt mit der Aktualisierung nicht.

Er verlegt die Handlung eher behutsam aus dem Petersburg des 19. Jahrhunderts in ein örtlich nicht präzise bestimmtes Russland nach dem Sozialismus. Anstelle des Adels der Zarenzeit bildet eine Neureichen-Clique die Elite. Für den Habenichts Hermann ist das einerlei, und der Spieltisch bedeutet noch immer eine Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Der Transport ins Heute gelingt überraschend konsequent und schlüssig, wenn auch um den Preis gesellschaftskritischer Schärfe. Denn die Hotel-Lobby, die Paul Zoller als Einheitsraum geschaffen hat und in der die sieben Bilder gleitend ineinander übergehen, könnte in jeder beliebigen Stadt zu finden sein ...

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Opernwelt März 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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