Posen oder Hörtheater

Angela Gheorghiu und Christine Schäfer mit zwei Recitals, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten

Sänger, die sich am eigenen Stimmklang berauschen und diesen Rausch inhaltsleer aufs Publikum übertragen, die jede tiefere, übers Gesangsplakat hinausgehende dramatische Aussage über eine Figur verweigern, sind traditionelle Feindbilder des Musiktheaters. Virulent werden diese nun erneut bei Angela Gheorghius neuem Studio-Recital «Homage to Maria Callas». Denn was die rumänische Diva hier in den diversen Stücken an Selbstbespiegelung bietet, ist so peinlich wie ihr Auftritt kürzlich bei der Wiedereröffnung des Bolschoi in Moskau.

Bereits beim Betrachten des Booklets zuckt man zusammen, denn die Hochglanz-Imitationen der großen Griechin durch die ambitionierte Rumänin wirken einfach geschmacklos. Auch akustisch sucht die Gheorghiu Callas-Posen einzunehmen, ohne freilich an der vokalen Darstellungskunst der «Tigerin» kratzen zu können. Bei Gheorghiu ist alles auf leeren Schönklang ausgerichtet; jede Mitteilung ans Publikum außerhalb des schönen Tons unterbleibt. Man erlebt die Flucht aus der dramatischen Situation in billige Sentimentalität.

Das ist schade, denn dass die Frau singen kann, wissen wir. Ihr Timbre wie herber Rotwein ist unverwechselbar, und technisch gibt es nicht viel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 27
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Was kommt, Impressum

52. Jahrgang Nr. 12

Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690 
Best.-Nr. 752235 

Redaktion Opernwelt

Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.kultiversum.de/Opernwelt

Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.11.2011

Redaktion:

Stephan Mösch
Albrecht...

Aussteiger und Einspringer

So hatte sich Met-Intendant Peter Gelb den Auftakt der neuen Spielzeit gewiss nicht vorgestellt: James Levine musste wegen seiner angeschlagenen Gesundheit sämtliche Dirigate für die nächsten Monate absagen. So avancierte der jüngst immer wieder für den populären Musik­chef eingesprungene Fabio Luisi zum Principal Conductor des Hauses. In dieser Eigenschaft...

Lyrische Kostbarkeiten

Unter den 768 Werken von Franz Liszt, die in Grove’s Dictionary of Music verzeichnet sind, finden sich rund achtzig Lieder – von Nummer 269 bis 350. Bevor er das erste  schrieb («Angiolin»), hatte er schon Lieder von Rossini, dann vor allem von Schubert transkribiert. Über seine frühen Lieder bemerkte Liszt in einem Brief, sie seien «meistens zu aufgebläht...