Posen oder Hörtheater
Sänger, die sich am eigenen Stimmklang berauschen und diesen Rausch inhaltsleer aufs Publikum übertragen, die jede tiefere, übers Gesangsplakat hinausgehende dramatische Aussage über eine Figur verweigern, sind traditionelle Feindbilder des Musiktheaters. Virulent werden diese nun erneut bei Angela Gheorghius neuem Studio-Recital «Homage to Maria Callas». Denn was die rumänische Diva hier in den diversen Stücken an Selbstbespiegelung bietet, ist so peinlich wie ihr Auftritt kürzlich bei der Wiedereröffnung des Bolschoi in Moskau.
Bereits beim Betrachten des Booklets zuckt man zusammen, denn die Hochglanz-Imitationen der großen Griechin durch die ambitionierte Rumänin wirken einfach geschmacklos. Auch akustisch sucht die Gheorghiu Callas-Posen einzunehmen, ohne freilich an der vokalen Darstellungskunst der «Tigerin» kratzen zu können. Bei Gheorghiu ist alles auf leeren Schönklang ausgerichtet; jede Mitteilung ans Publikum außerhalb des schönen Tons unterbleibt. Man erlebt die Flucht aus der dramatischen Situation in billige Sentimentalität.
Das ist schade, denn dass die Frau singen kann, wissen wir. Ihr Timbre wie herber Rotwein ist unverwechselbar, und technisch gibt es nicht viel ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 27
von Gerhard Persché
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