Kleinmütig

Berlin | Deutsche Oper | Verdi: Don Carlo

Diese erste Premiere nach dem Abgang von Kirsten Harms als Intendantin hätte ein Signal des Aufbruchs werden können. Diese Chance wurde verschenkt. Das begann schon mit der Entscheidung für die landläufig gespielte vieraktige Fassung von Verdis «Don Carlo», die zwar musikalisch, aber weniger dramaturgisch stringent ist. Das setzte sich fort mit der Wahl des Regisseurs und Bühnenbildners Marco Arturo Marelli, der schon wiederholt am Hause gearbeitet hat und immer ein Garant für gediegene, bei niemandem und nirgendwo aneckende Inszenierungen ist.

Für ein Werk dieses Kalibers ist das zu wenig. Dieser «Don Carlo» ist in der Konzeption kleinmütig und in der Ausführung, speziell der Personenführung, sträflich ambitionslos. Da spielt jeder, so gut er eben kann.

Auch weil der Bühnenbildner Marelli die Möglichkeiten des Regisseurs Marelli von vornherein einengt durch eine variable Einheitsszenerie. SIe besteht aus verschiebbaren Quadern, die in jeder Anordnung Schlitze für ein Kreuz übrig lassen. Sie zielt darauf ab, alle Personen, nicht nur das Volk, sondern auch die königliche Familie, in einem Kerker zu zeigen, zu dem nur die Kirche den Schlüssel hat. So simpel-sinnfällig das klingt, es ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Ekkehard Pluta

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