Politshow
Von allen Werken Wagners bereitet der «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Wagner hat hier ein Bündel an Motiven – Künstlerdrama, Polit-Parabel, Utopie einer herrschaftsfreien Gemeinschaft – zum Weltanschauungstheater vereint. Die ideologische Umpolung in der jüngsten Vergangenheit, bis hin zur Gleichsetzung des Schwanenritters mit Hitler, drohte das Stück vollends zu diskreditieren – umso mehr, als nicht nur der Stoff, sondern auch die Musik mit ihren Fanfaren und Aufmärschen zum Missbrauch einlud.
Tilman Knabe ist in seiner Deutung des Stücks am Mannheimer Nationaltheater nicht der Versuchung erlegen, sich auf die Seite des Rein-Menschlichen zu retten, sondern hat sich der szenisch nur schwer entwirrbaren Gemengelage von Ideologie und Politik
gestellt. Sein «Lohengrin» spielt in der Mediendemokratie von heute – in einem Fernsehstudio, in dem sich die Protagonisten theatralische Redegefechte liefern. Das mitspielende Volk ist auf die Zuschauerbänke verwiesen – es akklamiert, johlt, lacht und dies in einem Ausmaß, das immer wieder die Grenzen des musikalisch Zulässigen überschreitet und am Ende des ersten Akts in ein kollektives Besäufnis ausartet, bei dem Konfettiregen ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert
Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine...
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten...
Von Stockholm sind es noch mal 500 Kilometer Luftlinie nach Norden. Umeå, die Hauptstadt der schwedischen Provinz Västerbotten, liegt zwischen dem 63. und 64. Breitengrad, auf einer Höhe etwa mit Reykjavik. Wer hier morgens mit dem Auto losfährt, ist mittags am Polarkreis. Für 2014 wurde Umeå zur Kulturhauptstadt Europas gewählt (zusammen mit Riga). Deshalb werden...
