Pittoresk, psychologisch
Wenn Filmregisseure Oper inszenieren, ist das Ergebnis oft erstaunlich konservativ. Sei es aus Ehrfurcht vor der hohen Kunst oder schlicht aus Unbeholfenheit scheuen sich die meisten Filmemacher, die Möglichkeiten ihres Mediums auf die Opernbühne zu übertragen und inszenieren statt dessen lieber kreuzbrav am Libretto entlang.
Die Britin Penny Woolcock ist da leider keine Ausnahme: Nach ihrer grandiosen Verfilmung von John Adams’ «Death of Klinghoffer» zeigte schon ihr Operndebüt an der Met mit Adams’ «Doctor Atomic», was Kinoregisseure eben nicht können: das Organisieren von Auf- und Abgängen, das Herausarbeiten von Charakteren, das Schaffen theatralischer Momente, kurz: das ganze Handwerk des Theaters. Schade, denn ein Werk wie Bizets «Perlenfischer», mit dem Woolcock nun ihre Opernkarriere fortsetzt, hätte dringend eine Portion szenische Magie gebraucht. Doch die liefert Woolcock nur zum kurzen Vorspiel, bei dem sich die Bühne von Londons Coliseum in einen lichtblauen Ozean mit tauchenden Perlensuchern verwandelt. Der Rest ist Staffage: pittoreskes Slumtreiben mit Gurus und Touris, Satellitenschüsseln und Ölgötzen – ein drängeliges Bilderbuch-Indien, das zwar die Bühne, aber ...
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