Performer (und Publikum) gesucht
Diesem Mann ist nicht zu trauen: Barett kommt als Butler in Tonys Haushalt. Zunächst gibt er ganz den Diener, doch nach und nach wirft er die servile Haltung ab, verführt seinen Herrn, entreißt ihn den Händen seiner Freundin (Sally Grant) und bekommt ihn schließlich – ins Bett. Wenn Alexey Bogdanchikov als Barett seinen breiten Bariton einsetzt, unterwürfig auf den Boden schaut, um schließlich mit diabolischem Grinsen, vorgeschobenem Unterkiefer und blitzenden Augen zu triumphieren, könnte einem ein Schauer über den Rücken laufen.
Das soll er auch, denn hier geht es nicht nur darum, eine gute Stimme zur Schau zu stellen, sondern ein echter «Performer» zu sein, ein Darsteller, der genau so gut spielen wie singen kann – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die man im Opernbetrieb aber häufig schmerzlich vermisst. Die Kammeroper «The Servant» von Marco Tutino war eine der fünf Produktionen, die im November auf dem Opernfestival «Armel» im südungarischen Szeged gezeigt wurden.
Es ist bereits die dritte Ausgabe dieses Festivals, das zugleich als Wettbewerb konzipiert ist, bei dem die besten Sängerdarsteller ermittelt werden sollen. Direktorin Agnes Havas, die in Budapest die kleine ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Udo Badelt
Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...
Nicht einmal zehn Minuten braucht man zu Fuß, um vom Opernring in die Linke Wienzeile zu gelangen. Und doch liegen Welten zwischen der mit Stars, Glamour und touristenkompatibler Repertoire-Pflege prunkenden Staatsoper und Wiens (neben der Volksoper) «drittem» Opernhaus, das seit 2006 unter der Leitung von Roland Geyer dank klarer Programmatik und kluger...
Anthony Freud, vormals Intendant der Welsh National Opera, kam 2006 nach Houston. Gerade ist sein Vertrag als Leiter der Grand Opera (HGO) bis 2015 verlängert worden. Freud ist es nicht nur gelungen, die HGO finanziell über Wasser zu halten, er bemüht sich zudem stetig darum, neue Fans, insbesondere in der großen Gruppe der hispanischen und asiatischen Einwanderer,...
