Außenseiter, Kosmopolit, Alleskönner
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten. Fällig wären Konsequenzen zumal bei den praktischen und theoretischen Sachwaltern des österreichischen heiteren Musiktheaters.
Angezeigt ist die Einsicht schon im Titel dieses Essays.
Etwas üppiger ausgedrückt, besagt er: Ohne die anregende, maßgebliche Mitwirkung des Librettisten und Bühnenkomponisten, des findigen Importeurs und Bearbeiters ausländischer Werke namens Genée, wäre die Wiener Operette unterblieben. Genauer, es gäbe sie nicht als das, was sie dann doch geworden ist: als profiliertes musikdramatisches Genre, familienähnlich zwar mit dem Vorbild der Pariser Operette, doch mit unverkennbar eigenem Gepräge.
Nicht anders als kurz zuvor in Paris war das, was da neu entstand, auch in Wien keine Schöpfung aus dem Nichts heraus. Konkret, es waren zwar, bevor Genée in Wien auf den Plan trat, schon eben jene drei Musiker ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Essay, Seite 26
von Volker Klotz
«Lettera amorosa» lautet der Titel eines Liebesbriefs aus dem Libro VII der Madrigale von Claudio Monteverdi. Die neun Minuten lange, dramatisch-theatralische Szene im kunstvoll-deklamatorischen und affektgeladenen Stil gab die Anregung für den Titel der neuen Anthologie von Magdalena Kozená. Im Beiheft heißt es, die Sängerin habe Musik dieser Art schon als...
Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche...
«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...
