Aufruhr in Arkadien
Es ist äußerst verlockend, der These zu folgen, die Juan Batista Otero im Beiheft zu seiner Einspielung von Martín y Solers «Il sogno» entwickelt. Einen freimaurerischen Subtext vermutet der spanische Opernentdecker in der szenischen Kantate, die aller Wahrscheinlichkeit nach im August 1789 am Wiener Hof uraufgeführt wurde, und führt dafür eine ganze Anzahl Indizien in Libretto und Musik an.
Sollte das gedämpfte Grollen des Sturms, der über dem arkadischen Handlungsschauplatz aufzuziehen droht, ein Widerhall der französischen Revolution sein? Wäre das feierlich erwartungsfrohe Schlussterzett der scheinbar so harmlosen Nymphen-Story mit seiner Beschwörung eines «neuen Tages» ein versteckter politischer Appell an die Regierenden? Beweisbar ist das alles natürlich nicht, aber zumindest nicht unwahrscheinlich, zumal Martín y Soler in diesem Fall mit Lorenzo Da Ponte einen durchaus politisch denkenden Textdichter zur Verfügung hatte. Und warum sollte sich das Gefühl der nahenden Zeitenwende nur in der Musik Mozarts und nicht auch bei seinen unmittelbaren Konkurrenten spiegeln?
Denn musikalisch ist Martíns Kantate ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass das künstlerische Reizklima des ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 18
von Jörg Königsdorf
Anthony Freud, vormals Intendant der Welsh National Opera, kam 2006 nach Houston. Gerade ist sein Vertrag als Leiter der Grand Opera (HGO) bis 2015 verlängert worden. Freud ist es nicht nur gelungen, die HGO finanziell über Wasser zu halten, er bemüht sich zudem stetig darum, neue Fans, insbesondere in der großen Gruppe der hispanischen und asiatischen Einwanderer,...
Berlioz ohne Orchester ist wie Rembrandt ohne Licht. Deshalb muss man zweifellos dankbar sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Premiere von «Les Troyens» gespielt hat. Es hätte auch streiken können, denn es befindet sich, wie ein Handzettel am Eingang verkündet, «im offenen Tarifkonflikt». (Wir haben das Thema in dieser Zeitschrift schon...
Unser Stimmklang wird durch die perfekte Koordination von Atmungs-, Kehlkopf- und Artikulationsbewegungen erzeugt, Bewegungen, die zu den komplexesten gehören, zu denen der Mensch fähig ist. Und doch hat die Tonproduktion ein physiologisches Zentrum, das oft mit der gesamten Stimme gleichgesetzt wird: die Stimmbänder, die physiologisch zutreffender eigentlich...
