Aufruhr in Arkadien

Juan Batista Otero entdeckt zwei szenische Kantaten des Mozart-Konkurrenten Vicente Martín y Soler

Es ist äußerst verlockend, der These zu folgen, die Juan Batista Otero im Beiheft zu seiner Einspielung von Martín y Solers «Il sogno» entwickelt. Einen freimaurerischen Subtext vermutet der spanische Opernentdecker in der szenischen Kantate, die aller Wahrscheinlichkeit nach im August 1789 am Wiener Hof uraufgeführt wurde, und führt dafür eine ganze Anzahl Indizien in Libretto und Musik an.

Sollte das gedämpfte Grollen des Sturms, der über dem arkadischen Handlungsschauplatz aufzuziehen droht, ein Widerhall der französischen Revolution sein? Wäre das feierlich erwartungsfrohe Schlussterzett der scheinbar so harmlosen Nymphen-Story mit seiner Beschwörung eines «neuen Tages» ein versteckter politischer Appell an die Regierenden? Beweisbar ist das alles natürlich nicht, aber zumindest nicht unwahrscheinlich, zumal Martín y Soler in diesem Fall mit Lorenzo Da Ponte einen durchaus politisch denkenden Textdichter zur Verfügung hatte. Und warum sollte sich das Gefühl der nahenden Zeitenwende nur in der Musik Mozarts und nicht auch bei seinen unmittelbaren Konkurrenten spiegeln?

Denn musikalisch ist Martíns Kantate ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass das künstlerische Reizklima des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 18
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Kitsch as Kitsch can

«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...

Belcanto im Dienste des Ausdrucks

Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche...

Ein Meister aus Macerata

Von den italienischen Komponisten, die sich im Schatten Verdis zu behaupten versuchten, ist einzig Amilcare Ponchielli im Gedächtnis der Nachwelt geblieben, und auch das nur mit einer einzigen Oper, «La Gioconda». Tüchtige Meister wie Filippo Marchetti, Carlo Coccia und Antonio Cagnoni, lange Zeit nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt, sind erst in jüngster Zeit...