Paris: Nervöse Klage

Bellini: I puritani (Paris / Opéra de la Bastille)

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Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als «Selbstgespräche» unglücklicher Frauen hat Edita Gruberova einmal diese unendlich scheinenden Linien bezeichnet.

In Vincenzo Bellinis «I puritani» wird Elvira dadurch aus der Bahn geworfen, dass Arthur, ihr Gatte in spe, kurz vor der Hochzeit mit einer anderen flieht. Dass der als Parteigänger der Königstreuen damit die Witwe des enthaupteten englischen Königs retten will, weiß sie da noch nicht. Fortan lebt sie in einer Traumwelt, ihr berühmtes «Qui la voce sua soave» richtet sie an eine Fantasiefigur. Dieses Paradestück des Belcanto gelingt Maria Agresta in der Pariser Neuinszenierung von Laurent Pelly mit ihrem eleganten, geschmeidigen und sauber fokussierten Sopran wunderbar farbig. Überhaupt durchlebt sie ihre emotionalen Achterbahnfahrten mitreißend, auch wenn die nicht immer eine dramaturgisch schlüssige Wendung nehmen ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Mathias Nofze

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