Trivial sind nur falsche Gefühle
Frau Damrau, die Mailänder Scala hat Sie für ihre neue «Traviata» gebucht. Es heißt, Sie wollten die Violetta schon immer dort singen...
Ja, klar, seit ich mit zwölf im Fernsehen den Zeffirelli-Film mit Teresa Stratas und Plácido Domingo sah. Das hat mich damals richtig über den Haufen geworfen.
Später meinte meine erste Gesangslehrerin Carmen Haganu, man müsse Träume haben im Leben, und da sie mir viel von den großen Opernhäusern erzählte, vor allem von der Mailänder Scala, und wie’s dort zugeht mit dem gefürchteten Publikum, habe ich mir gedacht: Ich als Deutsche, als Günzburger Landei (lacht herzlich), singe irgendwann an der Scala Violetta. Nun habe ich in diesem Frühjahr damit an der Met debütiert, und das war schon mehr, als ich mir erträumen konnte. Naja, und jetzt mache ich an der Scala «Traviata» im Verdi-Jahr, die Inaugurazione der neuen Saison: Meine Utopie wird Realität. Ich sehe das als Herausforderung, als eine Aufgabe, die mir das Leben beschert hat.
Sie scheinen es im Moment mit den Kurtisanen zu haben – Violetta, davor Moll Hackabout in «A Harlot’s Progress» am Theater an der Wien. Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man eine Oper für sich geschneidert bekommt?
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Interview, Seite 30
von Gerhard Persché
Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?
Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
