Versailles: Von Angesicht zu Angesicht
Zoroastro stapft mit einem Handscheinwerfer an die Rampe und lässt den Strahl über die Ränge wandern. Dagegen dürfte niemand Einwände haben: eine Gelegenheit, den herrlichen Saal in Ruhe zu betrachten, den Louis XV. im Schloss Versailles so widerwillig bauen ließ. Das Publikum folgt mit Ahs und Ohs, auch wenn die Aktion wohl kaum fürs Sightseeing geplant war. Auf der Bühne selbst gibt es eher wenig zu sehen – Regisseur und Ausstatter Eric Vigner hat sie für Händels «Orlando» fast roh belassen.
Zoroastro, Zeremonienmeister, Herr über Licht und Prospekte, kann da nach Belieben für Veränderung sorgen, zum Beispiel mit einem Perlenvorhang, der sich in der Wahnsinns-szene schön verwirbeln lässt. Das dominante Merkmal des Bühnenbilds: ein riesiges iPhone, das im Portal hängt. Sinnig, wenn man bedenkt, wie viel hier tagein, tagaus mit einem ebensolchen geknipst wird. Zoroastro zeigt Orlando darauf ein Video zweier nackter Liebender, die sich lasziv auf einem Bett räkeln. «O imagine funeste», ruft der Ariost’sche Held, solcherart mit den Indiskretionen des YouTube-Zeitalters konfrontiert, und zieht los, zu neuen Liebesgroßtaten. Der szenische Nutzen des Geräts hat sich damit allerdings ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Wiebke Roloff
Frau Herlitzius, Ihr Operndebüt absolvierten Sie mit 30 Jahren relativ spät. Brauchen große Stimmen länger?
Ja, natürlich. Das Wissen darum scheint allerdings etwas verloren gegangen zu sein ... Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob Sie eine Vespa fahren oder einen Schwerlaster. Und das Ziel ist, den Schwerlaster genauso flexibel zu lenken wie die Vespa. Es geht...
Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren...
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
