Kavaliere, Roboter, Vampire

Wie Intendant Markus Dietze in Koblenz die begrenzten Möglichkeiten des ältesten deutschen Rangtheaters ausreizt

Opernwelt - Logo

Theater abseits der Zentren haben nicht gerade leichtes Spiel im Wettbewerb um überregionale Aufmerksamkeit. Nicht nur das schmale Budget erlaubt keine großen Sprünge. Ein oft ländlich geprägter Einzugsbereich fordert eher Grundversorgerqualitäten als konzeptionellen Wagemut.

In einem solchen Winkel – zwischen Wiesbaden, Mainz und Bonn – liegt auch das Koblenzer Theater. Das 1787 eröffnete Haus ist das älteste erhaltene Rangtheater Deutschlands. Knapp 500 Besucher finden dort Platz.

Und im Orchestergraben allenfalls eine Besetzung, wie sie bis zur frühen Romantik üblich war. Bei größeren Formaten wird es eng. Einziger Ausweg: die Platzierung der Musiker auf der Bühne. Markus Dietze (45), seit 2009 Intendant in Koblenz, konnte so «Lohengrin» und «Salome» auf den Spielplan setzen; schon seine Vorgängerin Annegret Ritzel hatte das Orchester für «Die Walküre» und «Tristan und Isolde» aus dem Graben geholt. Akustisch bleibt es heikel.

Die zu Ende gehende Saison darf als beispielhaft für das in Koblenz Erreichbare gelten: Einem neuen Mozart-«Figaro» war das über Jahre hinweg bemerkenswert stabile Hausensemble ebenso gewachsen wie der als Reprise gebotenen «Zauberflöte» und dem neuen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Claus Ambrosius

Weitere Beiträge
Wagemut und Spannkraft

Ein Markenzeichen des 1977 von Gian Carlo Menotti gegründeten US-Ablegers des Spoleto Festivals ist die Spannweite seines Programms. Neben Mainstream-Stücken werden jedes Jahr Trouvaillen aus vorklassischer Zeit und Musik der Gegenwart geboten. In der vorletzten Saison etwa präsentierte man Francesco Cavallis «Veremonda» und ein druckfrisches Opus des chinesischen...

Erlösung von Erlösern, bitte!

Jonathan Meese beim Schlussvorhang im Theater an der Wien: an Don Quichote und Räuber Hotzenplotz erinnernd, dem Publikum die Zunge herausstreckend und Löcher in die Luft boxend. Aber Achtung, fake news: Der da oben sein vermeintliches Unmeesen treibt, ist nicht der eigentliche JM (der soll einer der nettesten Menschen überhaupt sein), sondern die Kunstfigur, der...

Zwischen den Zeiten

Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.

Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...