«Verantwortung kennen hier die wenigsten»
Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und inszenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte gegen das Stück und bin eigentlich erst durch die Gespräche mit Daniel Barenboim so richtig heiß darauf geworden.
Ist die Rezeptionsgeschichte der «Carmen» heute noch ein Problem?
Das ist ein Problem in dem Moment, wo man das Stück hört: Man legt eine CD ein, und innerhalb von drei Takten kommt alles, was man jemals über «Carmen» im Kopf hatte, gleich mit. Dann beginnt eine intensive Suche nach dem Moment, der von der Premiere überliefert ist: dass die Leute mehrheitlich sehr irritiert und verstört waren von dieser Musik und dass es damals noch keine Spur von diesem kitschigen Kaugummi gegeben hat, der sich im Lauf der Jahrzehnte über das Stück gelegt hat.
Wie sehen Sie Carmen?
Ich sehe sie als erfahrene Frau, die mit großer Leichtigkeit mit dem Tod umgeht. Das ist für mich auf jeden Fall ein Mezzo, und ich bin bemüht, auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Einführung, die kürzlich im Arthaus Verlag zu Bizets «Carmen» erschienen ist, füllt eine Lücke: Sie kombiniert einen profunden Text zu Genese, Kontext und musikalischer Struktur des Stücks (Autor: Oliver Müller) mit einer Kompletteinspielung auf DVD – die Wahl fiel auf einen Mitschnitt der Londoner Covent-Garden-Produktion von 1991 mit Maria Ewing in der...
Seit dem Wiederaufbau des abgebrannten Hauses (1999) sucht das Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder in der Ersten Liga der internationalen Opernhäuser mitzuspielen. Einige jetzt auf DVD veröffentlichte Aufführungen sind da durchaus Erfolg versprechend, auch wenn es sich zumeist um eingekaufte Produktionen handelt.
Rossinis Krönungsoper «Il viaggio a Reims»,...
An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
