Spröde Wahrheiten

Birtwistle: Semper Dowland/The Corridor beim Aldeburgh Festival

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Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch hauptsächlich für die Befindlichkeit des männlichen Titelhelden, gilt heute das Zerrüttungsprinzip.

Der Moment, in dem Orpheus und Eurydike sich endgültig trennen, ist zugleich derjenige, in dem die Entfremdung beiden Partnen bewusst wird.
Es ist deshalb auch kein Zufall, dass sowohl Pascal Dusapin als auch Harrison Birtwistle ihre neuen Orpheus-Kammeropern auf diese Szene konzentrieren und den bei Monteverdi noch recht knapp abgehandelten Augenblick der Trennung zum musikalischen Zeit-Raum ausweiten. Während Dusapin in seiner im vergangenen Jahr in Aix uraufgeführten «Passion» den Distanzierungsprozess der Partner erst mit dem Beginn des Stücks einsetzen lässt und unter Rückgriff auf Monteverdis Madrigale eine Zersetzung der Gefühle protokolliert, ist die Aufregung beim 75-jährigen Birtwistle schon längst passé: Wenn Orpheus und ...

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Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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