Intime Bekenntnisse
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster Ludwig XVI., Marie Antoinettes und selbst des (ihr ergebenen) Beaumarchais prallten.
Luxuriös besetzt und spektakulär inszeniert (es gab sogar ein echtes Feuerwerk!), versetzte die Uraufführung an der Met – damals die erste nach einem Vierteljahrhundert – Publikum wie Kritik in einen Taumel der Begeisterung.
Ein nennenswertes Nachleben hatten die «Ghosts» nicht: Andere Häuser schreckten vor den Dimensionen des Stücks zurück. In der nun vorgestellten neuen Fassung für das Opera Theatre of Saint Louis fehlen rund 40 Minuten Musik, und das ursprünglich in Wagner-Stärke konzipierte Orchester umfasst jetzt weniger als 60 Musiker. Was bleibt übrig? Eine unverständliche Geschichte, aufgeblasene Auftrittsarien für Figuren, die später so gut wie keine Rolle mehr spielen, gestelzte Texte, eine Folge schön-fader, austauschbarer ...
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Franco Zeffirellis «Carmen»-Inszenierung aufs Korn zu nehmen, ist wie aufs Rote Kreuz zu schießen. Seit die Produktion 1995 herauskam, hat sie mit ihrer läppischen Betriebsamkeit – es treten lebende Tiere, Flamencotänzer, Toreros und jede Menge buntes Volk auf – immer wieder für spöttische Bemerkungen (nicht nur der Kritik) gesorgt. Vor der handwerklichen...
In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen. Es ist ein Tischtuch...
Lord Ashburton, Schirmherr der Grange Park Opera, arbeitete 39 Jahre lang als Investment Banker. In seinem Geleitwort zur aktuellen Spielzeit spricht er vor allem von der Finanzkrise. Das von Wasfi Kani seit zwölf Jahren geleitete Festival in Hampshire ist nur
lebensfähig, wenn sich die Karten (aktuell zu Preisen zwischen 50 und 115 Pfund) verkaufen lassen und...
