Opernsprengmeister a. D.
Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze ist wie de Gaulle, er kann jeden Mist machen, er glaubt, daß er immer König ist»), sondern hat auch an prinzipieller Stichhaltigkeit nichts eingebüßt.
Der französische Komponist und Dirigent beklagte sich dort während Bayreuther «Parsifal»-Proben über den modern getarnten Konservatismus des Opernbetriebs, den er Komponisten (Henze), Intendanten (Liebermann) und Regisseuren (Zeffirelli) vorwarf. Doch neben dem Hinweis, dass sich hier «die chinesischen Rotgardisten nach Herzenslust austoben» könnten, vergaß er auch konstruktive Anregungen nicht. Viele seiner unerbittlichen Forderungen sind inzwischen Gemeingut geworden – etwa eine Entstaubung des klassischen Repertoires oder das Experimentieren neuer Formen auf speziellen Bühnen. Jüngere Werke von Eötvös, Lachenmann oder Neuwirth dürften Boulez’ kompositorischen ...
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Unter den «Nachtigallen», deren Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, nahm die früh an Leukämie erkrankte Mado Robin (1918-1960) eine Sonderstellung ein, da sie ein ausgesprochenes Stimmphänomen war. Sie soll angeblich das viergestrichene C erreicht haben, auf jeden Fall entfaltete ihre Stimme über dem dreigestrichenen C ihre ganze Eigenart (und das...
Eine Gruppe Touristen huscht an den Männern in grellem Orange vorbei. Von wegen Sonntagsspaziergang, hier wird gearbeitet! Kräne zerlegen die Standbilder vergangener Epochen, was früher war, interessiert heute keinen mehr, weg damit, nur das Neue zählt. So läuft das in Putins Russland. Sagt Regisseur Vilppu Kiljunen. Die Neureichen wickeln ihre Immobiliengeschäfte...
Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
