Ohne Musik fällt mir nichts ein

Am 12. August wird er 80, doch ans Aufhören denkt Harry Kupfer noch lange nicht. Im Oktober kommt in Frankfurt unter dem Titel «Iwan Sussanin» (s)eine neue Version von Glinkas «Ein Leben für den Zaren» heraus. Im Sommer 2016 frischt er für die Scala seinen Salzburger «Rosenkavalier» auf. Danach stehen «Fidelio» an der Berliner Staatsoper und «Lady Macbeth von Mzensk» an der Bayerischen Staatsoper an. Ein Gespräch über die Ochsentour durch die DDR-Provinz, frühe Erfahrungen mit dem Westen, feste Ensembles, Freude an der Chorarbeit und die eigenen Wurzeln

Herr Kupfer, wann waren Sie eigentlich zuletzt in Ihrem ehemaligen Stammhaus, der Komischen Oper?
Das ist noch nicht so lange her. Ich wollte wissen, wie Barrie Kosky die «West Side Story» inszeniert hat. Ich hätte das Stück ja selbst gern auf die Bühne gebracht, in Dresden. Daraus wurde aber leider nichts, weil wir für unsere Spielfassung die Rechte nicht bekamen. Barrie hat das irgendwie geschafft. Und wie er die Geschichte erzählt, den Rhythmus, das Tempo, die Bewegung – das ist wirklich großartig.

Überhaupt scheint mir das Haus in einer guten Verfassung zu sein. Wenn ich mir die drei Berliner Opernbühnen anschaue, dann muss ich sagen: Die Komische Oper macht das interessanteste Programm.

Die «West Side Story» hatte im November 2013 Premiere. Ihr Abschied von der Behrenstraße lag da schon elf Jahre zurück. Brauchten Sie so viel Abstand?
Wenn man so lange an einem Haus gearbeitet hat, muss erst mal Schluss sein, ohne Wenn und Aber. Ich glaube, das war für beide Seiten wichtig.

Auch deshalb, weil es das Ende einer sehr persönlichen Bindung war, die nicht erst seit 1981, seit Ihrer Berufung als Chefregisseur bestand?
Da ist was dran. Als junger Mann habe ich bei Walter Felsenstein ...

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Opernwelt August 2015
Rubrik: Interview, Seite 32
von Albrecht Thiemann

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