Hübsch historisierend
Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur in Glyndebourne zwei Produktionen gleichzeitig laufen hat. Noch dazu Opern mit Sprechtexten: Für das Singspielformat hat sich das englische Publikum nie recht erwärmen können, schon gar nicht im Original. Bei der «Entführung aus dem Serail» trauen sich die meisten ja nicht mal, den deutschen Titel zu benutzen – zu riskant, die Aussprache! Aber David McVicar ist hier etwas so Ansehnliches, Kluges gelungen, dass er auch jene überzeugt haben dürfte, die eigentlich bloß da waren, weil’s für seine «Carmen» keine Karten mehr gab.
Das Osmanische Reich zeigt der Regisseur uns nicht als die nervenaufreibende Chaosgesellschaft, über die Elizabeth Craven (die spätere Markgräfin von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth) sieben Jahre nach der Uraufführung von Mozarts ostwestlicher Rettungsfantasie in ihren Memoiren herzog. Sondern in einer freundlichen Version à la Mary Wortley Montagu, die das Land im frühen 18. Jahrhundert beschrieb: Auf Vicki Mortimers historisierender Bühne flirten Elemente aus Orient und Okzident ganz harmonisch miteinander; im Hintergrund glitzerndes Wasser, ziselierte Bogengänge, liebevoll gepflegte Gärten: Balsam für die Augen. ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard
Über eine längere Weile hin verdämmert das Licht, und irgendwo im Off, in den Katakomben der Träume, spielt Elisabeth Leonskaja Schumanns «Geistervariationen» von 1854. Unter diesem Namen sind sie bekannt geworden, weil eine Engelserscheinung (oder aber jene Schuberts) das Thema vorgegeben haben soll. Es passiert im Theater an der Wien, gegen Ende des letzten...
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
Das alljährliche Sommerfestival der Garsington Opera, seit 2011 in Wormsley Park in Buckinghamshire beheimatet, präsentiert in diesem Jahr erstmals vier statt drei abendfüllende Werke. Den Auftakt machte «Così fan tutte» unter der musikalischen Leitung von Douglas Boyd und in der Ausstattung von Dick Bird. Regisseur John Fulljames, derzeit Associate Director des...
