Ohne Bezug zur Gegenwart
Der Titel der großen Schau führt in die Irre. Denn hier wird weder nachgewiesen, dass die Oper tot ist, noch wird gezeigt, in welchen Spielarten sie heute höchst lebendig ist. Aber natürlich macht der leicht provokante Titel neugierig, und das ist schon ein Gewinn. Dass Oper gestrig sei, ist eines der hartnäckigen Klischees, mit denen sich die Gattung herumschlagen muss. Dabei besitzt Deutschland mit über 80 Opernhäusern die höchste Dichte weltweit und bietet damit weit mehr Menschen ein Liveerlebnis als etwa Italien, das Mutterland der Oper.
Niemand zwingt die Leute in all die vielen Häuser. Denn die heutige Oper ist den meisten ihrer Klischees längst entwachsen. Die Bonner Kuratoren Katharina Chrubasik und Alexander Meier-Dörzenbach haben sich dennoch dafür entschieden, die letzten 100 Jahre der Entwicklung und damit auch die Gegenwart komplett auszublenden – was auch deshalb verwundert, weil vor Ort ein ambitioniertes Opernhaus steht. Der Blick zurück ohne Bezug zur Gegenwart ist also Programm dieser opulent gemachten Schau, die sich in mitunter willkürlich scheinenden Sprüngen bewegt und mittels Audio-Guide viele akustische und filmische Leckerbissen bietet.
Die einzelnen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Regine Müller
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch. Auf jeden...
Im Zusammenhang mit Johann Simon Mayr fällt dem Autor dieser Zeilen stets der Aphorismus ein, den der Literat Alfred Polgar gleichsam virtuell in eine Marmortischplatte des Wiener «Café Central» ritzte: Mancher Komponist hätte Opern und Symphonien geschrieben und lebte doch nur in einer Fußnote der Musikgeschichte weiter. Im Falle Mayrs bezieht sich diese auf das...
JUBILARE
Rodion Schtschedrin kam am 16. Dezember 1932 in Moskau zur Welt, studierte schließlich am Moskauer Konservatorium bei Juri Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier). Nach durchaus eindrücklichen Anfängen einer Klavierlaufbahn wurde er 1964 auf eine Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium berufen und 1973 auf Wunsch von Schostakowitsch...
