Schauermärchen
Das Feuer: Zweck und Ende», schreibt Regisseur Cesare Lievi über Verdis «Il trovatore», diese «opera notturna», in der alles schon eingeäschert scheint, bevor es überhaupt beginnt. Für das Teatro del Maggio Musicale Fiorentino hat Lievi das Dramma lirico in ein aschegraues Schauermärchen mit Horrorfilmanleihen verwandelt. Krisselig-düster flimmert die Leinwand im Saal gleich zu Beginn. Aus der Stille steigen Trommelschläge empor, dann verschwindet die Leinwand und ein militärisches Standbild erscheint.
Während Graf Luna unter den Balkonen der königlichen Gemächer umherstreift und an seine geliebte Leonora denkt, wacht Hauptmann Ferrando gemeinsam mit den Soldaten und wartet auf die Rückkehr seines Herrn. Um die Zeit zu vertreiben, erzählt er ihnen die Geschichte des Grafen und dessen Bruder Garcia, der von einer Hexe aus dem fahrenden Volk mit einem Fluch belegt wurde. Nach ihrem Tod auf dem Scheiterhaufen taucht ihre verzweifelte Tochter auf, raubt Garcia und übergibt ihn aus Rache ebenfalls den Flammen. Noch immer soll der Geist der Mutter durch das Schloss wandern, und die Tochter wurde nie gefunden ...
In der kompakten und ausgewogenen Akustik des 2014 erbauten Opernsaals kann ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Katharina Stark
Ein Biedermeierkomponist, ein Fabrikant von Potpourris hübscher Melodien, den man tunlichst nicht in einem Atemzug mit Weber und Wagner nennt: Diese tief verwurzelten Vorurteile gegen den Komponisten Albert Lortzing widerlegte das Gewandhausorchester Leipzig jetzt grandios. Erst die gewaltig berstende Ouvertüre und später manch andere symphonisch-polyphone Passage...
Will man im Internet flugs «Komplexität» bebildern, so finden gerne riesige vollgekritzelte Tafeln Verwendung. Ein bisschen schwingt auch immer traurig die «Einsamkeit des Genies» mit, wird man solcher Kreidekrümel auf grünem Grund gewordener – meist mathematischer – Gedankenströme ansichtig (Cineasten denken in diesem Moment vielleicht an den Film «A Beautiful...
An Ressentiments herrscht in diesem 1814 an der Mailänder Scala aus der Taufe gehobenen Werk wirklich kein Mangel: Rossinis «Il turco in Italia». Der Sultan ist ein zwar charmanter, aber unerbittlicher Despot; die vermeintlich untreue Geliebte hat er bereits zum Tod verurteilt und Frauen, derer er überdrüssig wurde, flugs verkauft. Italienerinnen wiederum haben es...
