Ohne «Weh!»
Warum muss Elsa sterben? Während Richard Wagner der zu Unrecht des Brudermords beklagten jungen Frau – von ihrem ersten (Traumerzählungs-)Auftritt bis zum bitter tragischen Ende der gescheiterten Beziehung zu ihrem Retter Lohengrin – einen somnambulen Charakter zuschreibt und sie schließlich «langsam entseelt in Gottfrieds Armen zu Boden» gleiten lässt, ist sein Lübecker Regisseur hier konkreter: Die wilde Horde brutaler barbarischer Brabanter tötet Elsa in den letzten Takten des Stücks. Der erschütterte Chorkommentar («Weh!») entfällt.
Es erscheint der von Ortrud zu den Gralsklängen des Vorspiels getötete, kindliche Thronfolger Gottfried in mittelalterlicher Rüstung. Die alte Ordnung ist wiederhergestellt. Das Licht geht aus. Ende.
Anthony Pilavachi, der am Theater Lübeck unter der Ägide von Opernchef Roman Brogli-Sacher bereits einen weithin beachteten «Ring» sowie «Tristan und Isolde» und «Parsifal» mit glücklicher Hand auf die Bühne brachte, ist nun mit pandemiebedingter Verspätung als Wagner-Regisseur nach Lübeck zurückgekehrt. Unter den kraftvoll modellierenden Händen von GMD Stefan Vladar klingt dieser «Lohengrin» so ungestüm, frisch und frühromantisch, dass man die ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause
Der Titel der großen Schau führt in die Irre. Denn hier wird weder nachgewiesen, dass die Oper tot ist, noch wird gezeigt, in welchen Spielarten sie heute höchst lebendig ist. Aber natürlich macht der leicht provokante Titel neugierig, und das ist schon ein Gewinn. Dass Oper gestrig sei, ist eines der hartnäckigen Klischees, mit denen sich die Gattung herumschlagen...
Seit Michael H. Kater 1995 in den «Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte» Carl Orff der «Widerstandslüge» bezichtigt hat, gilt der durch seine «Carmina Burana» weltweit populäre Bajuware als der Musikopportunist Hitler-Deutschlands schlechthin. Jetzt rollt der Wiener Zeithistoriker Oliver Rathkolb den Fall in einem fakten- und materialreichen Buch grundsätzlich...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...
