Ohne «Weh!»
Warum muss Elsa sterben? Während Richard Wagner der zu Unrecht des Brudermords beklagten jungen Frau – von ihrem ersten (Traumerzählungs-)Auftritt bis zum bitter tragischen Ende der gescheiterten Beziehung zu ihrem Retter Lohengrin – einen somnambulen Charakter zuschreibt und sie schließlich «langsam entseelt in Gottfrieds Armen zu Boden» gleiten lässt, ist sein Lübecker Regisseur hier konkreter: Die wilde Horde brutaler barbarischer Brabanter tötet Elsa in den letzten Takten des Stücks. Der erschütterte Chorkommentar («Weh!») entfällt.
Es erscheint der von Ortrud zu den Gralsklängen des Vorspiels getötete, kindliche Thronfolger Gottfried in mittelalterlicher Rüstung. Die alte Ordnung ist wiederhergestellt. Das Licht geht aus. Ende.
Anthony Pilavachi, der am Theater Lübeck unter der Ägide von Opernchef Roman Brogli-Sacher bereits einen weithin beachteten «Ring» sowie «Tristan und Isolde» und «Parsifal» mit glücklicher Hand auf die Bühne brachte, ist nun mit pandemiebedingter Verspätung als Wagner-Regisseur nach Lübeck zurückgekehrt. Unter den kraftvoll modellierenden Händen von GMD Stefan Vladar klingt dieser «Lohengrin» so ungestüm, frisch und frühromantisch, dass man die ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann....
Pauline Viardot war eine der großen Künstlerfiguren des 19. Jahrhunderts. Als Tochter einer weitgereisten spanischen Sängerfamilie, Schwester der berühmten Diva Maria Malibran und des nicht minder berühmten Gesangslehrers Manuel García junior schien ihr Weg vorgezeichnet. Doch die Viardot wollte, als Schülerin Reichas und Liszts, Komponistin werden und wurde es...
Nun also auch Basel. Mehr als 40 trübe Jahre lang hat man Wagners «Ring» in der schmucken Universitätsstadt nicht mehr gesehen. Und weil Benedikt von Peter, Intendant des dortigen Theaters, das Großformatig-Diskursive liebt, begnügt er sich nicht einfach mit einer Neuinszenierung der Tetralogie, sondern stockt die ambitionierte Unternehmung gleich zu einem...
