Rehabilitiert

Weill: Lady in the Dark am Theater Basel

Opernwelt - Logo

Mit Kurt Weill als Musical-Komponist fremdelt man im deutschsprachigen Raum nach wie vor. Ein Beispiel ist Weills «Lady in the Dark» (von 1941) mit den Gesangstexten von Ira Gershwin und dem Libretto von Moss Hart. Spätestens nach dem Erfolg der Hollywood-Satire auf die Fashion-Welt «Der Teufel trägt Prada» (2006) mit Meryl Streep in der Rolle der eisernen Modezeitschrift-Chefredakteurin Miranda Priestley hätten die Theater auf den Zug aufspringen können.

Denn die Geschichte um die taffe Zeitschriftenherausgeberin und Karrierefrau Liza Elliott, die sich mit ihrem Über-Ich konfrontiert sieht, antizipiert die Filmhandlung ein Stück weit, wenngleich Harts Buch weit mehr eine Reise in die Tiefen und Untiefen der Psychoanalyse schildert. Doch die Aufführungszahlen sind nach wie vor überschaubar: 2011 Hannover, 2014 Mainz und 2021 Wien – österreichische Erstaufführung …

Wenn das Theater Basel nun mit der schweizerischen Erstaufführung nachzieht, ist das weit mehr als der Versuch einer späten Rehabilitierung – es ist eine! Und das hat viel damit zu tun, dass Regisseur Martin G. Berger den im Stück angelegten Spagat zwischen Psychoanalyse und Chorus-Line, zwischen intimem Kammerboulevard ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Todesrevue

Den Tod sterben wir bekanntermaßen allein: Violetta windet sich auf dem nackten Boden des Bühnenrands – da ist der Vorhang längst gefallen –, nur der empfindungslose Blick des Conférenciers in der Loge haftet auf ihr. Verflogen sind Rausch und Glanz des Varietés, verschwunden ist das Partyvolk. Mit diesem Schlussbild setzt Barbora Horáková Joly eine treffsichere...

Erotische Gebete

Dreihundert Mélodies hat Jules Massenet komponiert, mehr als jeder andere Komponist zwischen Berlioz und Poulenc. Dennoch nimmt er in der Geschichte des französischen Lieds nur einen Randplatz ein. Gewiss, mit der großen Liedlyrik von Duparc, Fauré oder Debussy kann er sich nicht messen. Die meisten Stücke sind Gelegenheitskompositionen, für den Salon bestimmt,...

Unergründlich

Zwei Menschen: Sie, eine junge slowakische Jüdin, die 1942 mit dem ersten Frauentransport nach Auschwitz kommt; er, gleichaltrig und ein Aufseher, ein glühender Antisemit, der sich mit 17 freiwillig zur SS gemeldet hatte und als besonders brutal gilt. Sie muss ihm zum 21. Geburtstag ein Ständchen bringen – er verliebt sich in sie. Er rettet ihrer Schwester das...