Offene Wunden
Gemessen an den über 130 Jahren, die Richard Wagner inzwischen tot ist, wirkt das zeitliche Fenster, durch das der amerikanische Literaturwissenschaftler Hans Rudolf Vaget schaut, relativ klein. Dennoch hat die Perspektive große Aussagekraft. Nach seinen Büchern über Thomas Mann sowie die Musik und Mann in Amerika nimmt er nun die Wagner-Rezeption der frühen 1930er-Jahre in den Blick, einzelne Abstecher in das Davor und Danach mit eingeschlossen.
«Wehvolles Erbe» heißt das Buch, welches das geistige Nachleben Wagners am Beispiel der Trias Hitler, Knappertsbusch, Mann exemplarisch beleuchtet. Dass die Auseinandersetzung mit dem Erbe Wagners eng mit der nationalsozialistischen Politik verquickt war, ist keine neue Erkenntnis. Wie genau aber der Umgang mit Wagner die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit mitgeprägt hat, beschreibt Vaget in bislang ungeahnter Detailfülle.
Im Fokus steht einerseits Hitler. Dessen in den frühen Jahren sich formierendes Wagner-Bild hat seine geistige Entwicklung maßgeblich beeinflusst, sogar das intellektuelle Milieu seiner Umgebung stimuliert. Vaget möchte, über die einschlägige Hitler-Literatur hinaus, eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Theater St. Gallen hat es gewagt. Kühn hat das Dreispartenhaus im Osten der Schweiz zur Eröffnung der neuen Saison «Die Gezeichneten» von Franz Schreker ins Programm genommen. So wie es 1988 mit der Produktion des «Schatzgräbers» der Schreker-Renaissance in der Schweiz einen Anstoß verliehen hat. «Die Gezeichneten» sind natürlich ein Werk ganz anderen...
Man muss erfinderisch sein im Kölner Staatenhaus, einer einstigen Messehalle, mit der die Kölner Oper während der skandalös sich hinschleppenden Sanierung ihres Stammhauses bis mindestens 2023 vorlieb nehmen muss. Die Eröffnungspremiere der jungen Spielzeit deutet zumindest an, dass man inzwischen bühnentechnisch kreativer und akustisch souveräner mit den...
Im Mindener Stadttheater, 526 Plätze klein, fehlt nicht viel, und diejenigen, die in der ersten Parkettreihe sitzen, könnten sich am Schwert Nothung schneiden oder den Drachen Fafner am Schwanz fassen. In dem schwarzlichtern sich windenden Monster verbergen sich Schüler des örtlichen Ratsgymnasiums. Doch wer deshalb meint, das Wagnerwunder von Minden in Westfalen...
