Offene Wunden
Gemessen an den über 130 Jahren, die Richard Wagner inzwischen tot ist, wirkt das zeitliche Fenster, durch das der amerikanische Literaturwissenschaftler Hans Rudolf Vaget schaut, relativ klein. Dennoch hat die Perspektive große Aussagekraft. Nach seinen Büchern über Thomas Mann sowie die Musik und Mann in Amerika nimmt er nun die Wagner-Rezeption der frühen 1930er-Jahre in den Blick, einzelne Abstecher in das Davor und Danach mit eingeschlossen.
«Wehvolles Erbe» heißt das Buch, welches das geistige Nachleben Wagners am Beispiel der Trias Hitler, Knappertsbusch, Mann exemplarisch beleuchtet. Dass die Auseinandersetzung mit dem Erbe Wagners eng mit der nationalsozialistischen Politik verquickt war, ist keine neue Erkenntnis. Wie genau aber der Umgang mit Wagner die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit mitgeprägt hat, beschreibt Vaget in bislang ungeahnter Detailfülle.
Im Fokus steht einerseits Hitler. Dessen in den frühen Jahren sich formierendes Wagner-Bild hat seine geistige Entwicklung maßgeblich beeinflusst, sogar das intellektuelle Milieu seiner Umgebung stimuliert. Vaget möchte, über die einschlägige Hitler-Literatur hinaus, eine ...
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Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...
Zum Auftakt seiner letzten Saison als Dortmunds Intendant hat sich Jens-Daniel Herzog mit «Arabella» ein Werk vorgenommen, dass nicht ohne ist. Zwar knüpft dessen Klangwelt bewusst an die bitter-frivole Süße des «Rosenkavaliers» an und spielt ebenfalls in Wien. Doch liegen mehr als 20 Jahre zwischen beiden Opern, feiert «Arabella» zudem ein rückständiges...
Folgt man der Grazer Dramaturgin Marlene Hahn, so ging es Verdi im «Trovatore» nicht um eine nachvollziehbare Handlung mit klar gezeichneten Charakteren, sondern um eine bizarre Bilderfolge, einen «bunten Scherbenhaufen»; nur das konventionelle Libretto Salvadore Cammaranos habe ihn daran gehindert, völlig «modern» zu werden. Ben Baur, Regisseur und Bühnenbildner...
