Offene Grenzen
Mehr als zwei Jahrhunderte lang waren Namen wie Leonardo Leo, Nicola Porpora oder Alessandro Scarlatti nur Musikgelehrten und einigen Kennern geläufig. Von der Musik dieser im 18. Jahrhundert gefeierten Komponisten waren allenfalls ein paar wenige Werke als arie antiche bekannt und dienten im Gesangsunterricht zur Vorbereitung auf vermeintlich anspruchsvolleres Repertoire oder als Einsingstücke in Liederabenden italienischer Opernstars.
Mit dem Siegeszug der Barockoper kehrten in den letzten Jahrzehnten auch Leo, Porpora und der ältere der beiden berühmten Scarlattis wieder zurück ins öffentliche Bewusstsein. Souverän gesungen und virtuos gespielt, vermögen auch Opern Porporas und Scarlattis heute wieder ein Publikum zu begeistern. Die Wiederentdeckung des Opernkomponisten Leo steht noch aus, dafür ist die Kirchenmusik dieses neapolitanischen Meisters in jüngster Zeit wieder häufiger zu hören und zu bewundern.
Für ihr erstes Soloalbum hat die französische Altistin Anthea Pichanick vier geistliche Solokantaten der drei genannten Komponisten ausgewählt, Werke, die eindrucksvoll belegen, wie offen die Grenzen zwischen weltlicher und geistlicher Musik waren. So wie barocke Kirchen ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Thomas Seedorf
Am 3. Mai verstarb in New York die Mezzosopranistin Rosalind Elias im Alter von 90 Jahren. Die Amerikanerin libanesischer Herkunft erhielt ihre Ausbildung in Boston, Tanglewood und Rom. Obwohl sie international erfolgreich war und in vielen Schallplattenproduktionen mitwirkte, bleibt ihr Name vor allem eng mit der Geschichte der Metropolitan Opera verbunden. 54...
Den Stein ins Rollen brachten ein Diplom-Ingenieur und ein Anglistik-Professor. Man könnte auch sagen: deren aufgeklärte Begeisterung für das Werk Richard Wagners. Als Heinz Weyringer 1995 mit Walter Bernhart in Graz das «Wagner Forum» gründete, ahnte niemand, dass aus diesem Verein, der als liberal-weltoffene Alternative zu der gegen die Erneuerung der Bayreuther...
Er war der letzte Zeuge einer großen Epoche französischer Gesangskunst. 1924 im südfranzösischen Béziers geboren, erhielt Gabriel Bacquier seine Ausbildung am Pariser Conservatoire und trat 1953 am Brüsseler Théâtre de la Monnaie sein erstes festes Engagement an. 1956 wechselte er an die Pariser Opéra Comique und wurde drei Jahre später Mitglied der Opéra, deren...
