Obstkunst

Berlin, Rossini: Il turco in Italia

Opernwelt - Logo

Seine Schwäche fürs erotische Intermezzo hat «Il turco in Italia» wenig genützt. Rossinis Oper über den Seitensprung wurde zumindest in Berlin seit Ewigkeiten nicht aufgeführt. Man muss das Stück leicht nehmen können. Dass der stets eilige Rossini «Il turco» 1814 nicht allein, sondern mit fremder Hilfe vollendete (bei den Rezitativen und beim Schluss), tat ein Übriges. Außerdem braucht man ein weibliches Zugpferd, das nicht einmal die Hauptrolle spielt.

Was tun, wenn man Maria Callas oder Cecilia Bartoli gerade nicht zur Verfügung hat? Wenn die letzte Berliner Saison-Premiere stoisch genug aufgenommen wurde, so lag’s nicht nur an Chris­tine Schäfer. Sondern an reichlich Revuestrass, Kunstobst und langen Beinen, mit denen das Spektakel zugetanzt wurde. Ein Aufmarsch roter Playmates (mit Sekt), buntes Fifties-Ambiente und der erotische Ruck, der dank des Türken durchs Theater geht, sorgen für Betriebsmunterkeit. Sie verraten aber insgeheim eine moralinsaure Gefühlsfeindlichkeit. Christine Schäfer ist fraglos eine der besten Sängerinnen der Gegenwart. Doch ihre Rossini-Koloraturen bleiben hier und da hängen. Die weiße, eisige Pracht ihres Soprans erkältet die Komödie.
Regisseur David ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Abschiedsstück

Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...

Postveristisches Tandem

Das wagemutige und entdeckungsfreudige Festival della Valle d’Itria hat im vergangenen Jahr zwei weitgehend unbekannte Nebenwerke von Pietro Mascagni und Umberto Giordano szenisch wiederentdeckt, die aus einer Zeit stammen, als sich beide Komponisten von ihren veristischen Anfängen längst losgelöst hatten. Die Mitschnitte auf CD, die jetzt bei Dynamic...

Britischer Mozart - gestern und heute

In Sachen Selbstvermarktung geben uns die englischen Theater ein nachahmenswertes Beispiel. Die Londoner Covent Garden Opera hat unlängst das DVD-Label Opus Arte übernommen, nun startet das Glyndebourne Festival eine eigene CD-Reihe mit historischen und neueren Mitschnitten. Der Auf­takt mit der Erstveröffentlichung von «Le nozze di Figaro» aus dem Jahr 1962 ist...