Höllenfahrt mit himmlischen Tönen
Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon während des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Straßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua» (Szenenanweisung) – ist ein bedrohlicher Raum mit schwarzen Wänden: eine Hölle der Gehörnten.
Sie alle sind die Opfer der erotischen Gier und Unersättlichkeit, die der Herzog in seiner Ballata besingt, und alle sind sie dadurch auch zu Teufeln geworden.
Dies der Auftakt von Nikolaus Lehnhoffs glanzvoll besetzter Dresdner Inszenierung von Verdis «Rigoletto» unter der packenden musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Der Hof des Duca di Mantua erscheint als eine kalt-bedrohliche Lusthölle, in der laszive Frauen sich barbrüstig exhibitionieren und makabre Tierwesen umhergeistern wie die Maskenfiguren in Stanley Kubricks «Eyes Wide Shut». Aus dieser Welt der Obsessionen und der bizarren Rituale kehrt Rigoletto zurück in ein anderes Gefängnis: eine leere Kammer, in dem er seine Tochter vor der Welt verborgen hält. Hier wird ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Das ist auch eine Frage der Qualität»
Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne
Herr Konwitschny, Ihr Kollege Giancarlo del Monaco hat in Zusammenhang mit seiner Inszenierung von «Manon Lescaut», die kürzlich in Leipzig herauskam, gesagt, er mache «Oper für das Publikum». Was...
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
