Oberflächenreize
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer Oberflächen-Chic siegt über eine echte Interpretation. Wir bekommen keinerlei Hinweis darauf, weswegen etwa das Stück in seiner Zeit so brandstifterisch wirkte. Und was es uns heute noch zu sagen hat.
Man denkt zurück an David McVicars Inszenierung von Mozarts «Idomeneo» an der Scottish Opera, mit der er sich vor so manchen Jahren seinen Namen machte. Und man fragt sich, was mit seinem Einfallsreichtum, der ihn Mozart damals so frisch sehen ließ, passiert ist. Dabei ist sein handwerkliches Geschick zweifellos gereift. Mühelos füllt er Breite und Tiefe von Tanya McCallins «Ancien Régime»-Bühne mit Aktion, lässt die Komödie und ihre Charaktere sich gekonnt entwickeln. Es gibt einen Haufen von Statisten, alle sinnvoll ins Geschehen integriert – bereits zur Ouvertüre, als die Bediensteten das sichtlich heruntergekommene ...
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Die 1970 in Berlin geborene New Yorkerin Audra McDonald ist ein Phänomen. Fünfmal war die Sängerin bereits wegen ihrer Auftritte in diversen Broadway-Produktionen für einen Tony Award nominiert. Und zwar nicht nur als Musical-Diva, sondern auch als Schauspielerin im Sprechtheater. Und viermal hat sie den Preis bisher nach Hause tragen können. Ein einmaliger Rekord,...
Seit 1987 der Zuschauerraum des Jenaer Stadttheaters abgerissen wurde und sich die damaligen Kulturfunktionäre der trügerischen Hoffnung auf einen Theaterneubau hingaben, muss Jenas Publikum auf Musiktheater in der eigenen Stadt weitgehend verzichten. Bruno Scharnberg, seit 2003 Intendant der Jenaer Philharmonie, plante bereits im ersten Jahr seines Wirkens die...
Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Uraufführungsjahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...
