Oberflächenreize

London, Mozart: Le nozze di Figaro

Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer Oberflächen-Chic siegt über eine echte Interpretation. Wir bekommen keinerlei Hinweis darauf, weswegen etwa das Stück in seiner Zeit so brandstifterisch wirkte. Und was es uns heute noch zu sagen hat.


Man denkt zurück an David McVicars Inszenierung von Mozarts «Idomeneo» an der Scottish Opera, mit der er sich vor so manchen Jahren seinen Namen machte. Und man fragt sich, was mit seinem Einfallsreichtum, der ihn Mozart damals so frisch sehen ließ, passiert ist. Dabei ist sein handwerkliches Geschick zweifellos gereift. Mühelos füllt er Breite und Tiefe von Tanya McCallins «Ancien Régime»-Bühne mit Aktion, lässt die Komödie und ihre Charaktere sich gekonnt entwickeln. Es gibt einen Haufen von Statisten, alle sinnvoll ins ­Geschehen integriert – bereits zur Ouvertüre, als die Bediensteten das sichtlich heruntergekommene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Andrew Clark

Vergriffen
Weitere Beiträge
Stimmglanz statt Seelenkitsch

Als die Nazis Richard Tauber aus Deutschland vertrieben hatten, standen da schon zahlreiche Tenöre in den Startlöchern, seine Nachfolge als Operettenkönig anzutreten. Interessanterweise versuchten alle – voran Herbert Ernst Groh, Marcel Wittrisch, Karl Friedrich –, seinen Vortragsstil nachzuahmen. Die Tauber-Träne begegnet uns in den Aufnahmen der dreißiger und...

Pioniertat mit Referenzcharakter

Seit die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr binnen kurzem zum Bestseller avanciertes Vivaldi-Recital vorstellte, ist das Interesse an den musikdramatischen Werken des «roten Priesters» sprunghaft angestiegen. Und schon lange beschränkt sich die Wiederentdeckung Vivaldis als Opernkomponist nicht mehr auf die Veröffentlichung erlesener ­Arien-Paraden. Das...

Strauss: Elektra

Musikalisch war die Saarbrücker «Elektra» ein Volltreffer. Ob angesichts dras­tischer Sparmaßnahmen dieser Standard auch in Zukunft zu halten sein wird, steht freilich in den Sternen. Zu­nächst legte aber der scheidende General­musikdirektor Leonid Grin eine überaus stimmige Einstudierung der komplexen Partitur vor, sorgte für gepflegtes Zusammenspiel,...