O Weh!
Eine Geschichte von alter Schuld ist es, die Calixto Bieito erzählen will, eine Schuld, die sich an den kommenden Generationen rächt. Als Vorlage wählt er dafür Gustav Mahlers Opus «Das klagende Lied» in der dreiteiligen Urfassung, ein Märchen mit Brudermord, mystisch-musikalischer Anklage aus dem Jenseits und schauerlichem Showdown, sowie die beklemmenden «Kindertotenlieder»: Das sollte die Tonspur zu einem packenden Musiktheaterabend unter dem Titel «Von der Liebe Tod» ergeben. Sollte.
Warum das Vorhaben gescheitert ist, mit dem Direktor Bogdan Roščić an der Wiener Staatsoper das 125-jährige Jubiläum des Dienstantritts seines großen Vorgängers feiern wollte? In keinem Moment kann sich die Verbindung von Szene und Musik zu einer höheren, gegenseitig verstärkenden Wirkung aufschwingen. Und das liegt nur zum Teil daran, dass in der Märchenkantate die Soloparts keine Charaktere darstellen, sondern zusammen mit dem Chor die Geschehnisse referieren. Im Gegenteil, die Aufführung des Jugendwerks, in dem schon ein Gutteil von Mahlers Kosmos klar zutage tritt, gehört zu den Meriten des Abends: Das «Klagende Lied» muss kennen, wer Mahler von Grund auf erfassen möchte.
Beklagenswert ist ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Walter Weidringer
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde,...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Wagner, «Die Walküre,» «Wotans Abschied» – während und als ich fertig war mit Singen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Fußdistanz (mit genügend Abstand) zu meinem Zuhause.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Tolle Kollegen, gute Kantine – und öfter mal das große «Ommm» anstimmen.
Welche Oper halten...
Melanie Unseld, Musikwissenschaftsprofessorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, beginnt ihr Buch «Musikgeschichte ‹Klassik›» – klassisch. Und zwar mit einer Problematisierung des «Klassik»-Begriffs, ganz im Sinne von Musikgeschichtskapazitäten wie Carl Dahlhaus und anderen. Das hat zunächst etwas von der Steifheit und Hermetik einer...
