Gott im Sinkflug
Vielleicht funktioniert er doch, der Weg, den Andreas Homoki, der Intendant der Oper Zürich, für die Inszenierung von Richard Wagners «Ring des Nibelungen» an seinem Haus eingeschlagen hat. Nicht ein weiterer Deutungsversuch der Tetralogie, nicht eine neuerliche Transposition der Geschichte in eine Lebenswelt, die uns näher scheint als jene der Vorlage, möchte man auf die Bühne bringen, im Vordergrund soll vielmehr die Sache selbst stehen, der Text und seine Spiegelung in der Musik – das ist die Ambition im neuen Zürcher «Ring».
Ein werkimmanenter Zugang, der auf Skepsis stieß, weil er aus der Zeit zu fallen, jedenfalls der dominierenden rezeptionsgeschichtlichen Tendenz zu widersprechen schien. Und der sich im «Rheingold» Ende letzter Saison noch nicht als der Weisheit letzter Schluss erwies. In der «Walküre» wirkt der Ansatz jedoch klar, anregend und ausgesprochen berührend.
Die von Christian Schmidt entworfene Ausstattung geht vom gleichen Muster aus wie im «Rheingold». Auf beiden Seiten einer Trennwand zeigt die Drehbühne zwei Spielorte. In ihrer Anmutung sind sie erkennbar in der Entstehungszeit der Tetralogie verankert. Was es zur Entfaltung der Geschichte braucht, ist ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Peter Hagmann
Anfangs macht Jeanne noch vergnügt Selfies mit ihrem neuen Verehrer, dem Maler René: Dessen Operettentenor-Emphase findet sie süß. Dann lebt sie in jungem Glück mit ihm in einer Mansarde, verprasst jedoch bald das karge Haushaltsgeld. Nach der Trennung landet sie als Sängerin beim Varieté, wo sie mit Mühe einer Vergewaltigung entgeht, bevor ein reicher Galan sie...
Ein Mann wird 80 - der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, Orchestergründer und kämpferischer politischer Geist, dominante Autorität als Berliner Generalmusikdirektor, dessen Führungsstil Debatten hervorrief. Dagegen wirkt Barenboims unmittelbare Gegenwart ziemlich fragil. Nach überstürzter Tourneeabsage im Mai und der Rückkehr mit seinem West-Eastern Divan...
Der Saarbrücker «Ring» von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka hätte 2020 starten sollen. Die Pandemie verhinderte es und lässt nun die in weißen Schutzanzügen arbeitenden Laboranten auf der Bühne viel gegenwärtiger, auch zeitgeistiger erscheinen, als es geplant gewesen sein muss. Vorab ist zu lesen, dass Szemerédy und Parditka auf Götter und Mythen...
