Nur wer die Sehnsucht kennt
Das ganze Drama ist im Grunde erzählt, noch bevor viele Worte gefallen sind. Der Schmerz, die Sehnsucht (welche nur diejenigen Menschenkinder wirklich kennen, die wissen, welches Leiden mit ihr einherzugehen vermag), der Dualismus aus Liebestäuschung und -ent täuschung, die tiefsitzende Verzweiflung, das einsickernde Gift der Rache – alles ist bereits im «Prelude» von Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» ausformuliert.
Sogar das tödliche Ende dieses sizilianischen Verismo-Thrillers wird musikalisch vorweggenommen; es genügt dazu, das Tonartenfeld zu durchstreifen, das Mascagni bereits in diesen ersten Minuten seines berühmten Einakters etabliert. Mag das F-Dur, mit dem das Vorspiel schließt (und mit dem zuvor schon das triolisch bewegte Harfen-Idyll unterlegt war), in seiner Frühlingshaftigkeit für Momente von heiliger Unschuld künden, so dominiert letztlich doch das Dunkel-Dämonische: Von d-Moll führt der Weg über g-Moll und a-Moll schließlich in jenen f-Moll-Abgrund, der schon in Turiddus (von draußen hereinklingender) Miniatur-Cavatine gähnt – als Vorschein des unabwendbaren Grauens.
Es ist ein Grauen, das die Schönheit immer miteinschließt – jedenfalls in diesem fulminanten ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Olga Myschkina
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