Einmal alles mit scharf!
Links, an der «Plaza de la corrupción», leuchten in Grün und Rot die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpersönchen. Rechts versorgen drei resolute Damen vom Grill die Massen mit geistiger Nahrung, und zwar im extra populären flüssigen Aggregatzustand. Auf dem Steg, der zwischen Publikum und Graben verläuft, gehen inkognito sowohl der Stadtkommandant als auch der vizekönigliche Kammerherr ihrer Spitzeltätigkeit nach und verkaufen – Vorsicht, Austriazismen! – Fleischlaberl, Punschkrapferl und das Krawallblatt «Freie Zensur».
In der Mitte aber, dort wo später die Proszeniumslogen der Staatsoper und dazwischen auch ein fideles Gefängnis auftauchen werden, prangt zunächst das riesige Wahlplakat seiner Exzellenz mit dem Slogan: «Peru darf nicht Österreich werden!» Selbstredend entpuppt sich in Nikolaus Habjans Inszenierung von «La Périchole» genau dieser Schaden als längst und unwiderruflich angerichtet: Lima ist Wien, da fährt die ÖBB (Österreichische Bundesbahn) drüber.
Das Theater an der Wien wagt sich in seiner Ausweichspielstätte im Museumsquartier also an Offenbach und seine Opéra-bouffe – und verzichtet dabei sogar in den Gesangsnummern auf das buchstabengetreue Französisch. ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Walter Weidringer
In Marco Štormans Stuttgarter Inszenierung von Wagners «Götterdämmerung» ist die Apokalypse bereits vorüber, wenn sich der Vorhang hebt. Die verdorrte, von Wotan selbst abgeholzte Weltesche schwebt wie ein Menetekel als Strandgut vom Schnürboden herab. Wenn sie am Ende wiederkehrt, begräbt sie den im Rheinrinnsal gierig nach dem Ring fischenden Hagen und erschlägt...
Der 5. März 1953 ist in die Geschichtsbücher als jener Tag eingegangen, an dem zwei Menschen das Zeitliche segneten, deren Wirken zwar eng miteinander verknüpft war, von denen aber der eine so prominent war, dass man das Dahinscheiden das anderen darüber beinahe vergaß. Mit Josef Wissarionowitsch Stalin starb einer der übelsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts, mit...
Milde und Nachsicht muss man ertragen können, im Leben – und auf der Bühne. An beiden Orten begegnen sie uns eher selten. Und wenn doch, ist gleich das Misstrauen da: dass da etwas nicht stimmen kann, ein Hintergedanke im Spiel ist, das Ende der Milde und Nachsicht sich bloß verzögert.
Regisseurin Clara Kalus hält es in Würzburg sogar ziemlich lange aus. Ihr Tito,...
