Einmal alles mit scharf!
Links, an der «Plaza de la corrupción», leuchten in Grün und Rot die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpersönchen. Rechts versorgen drei resolute Damen vom Grill die Massen mit geistiger Nahrung, und zwar im extra populären flüssigen Aggregatzustand. Auf dem Steg, der zwischen Publikum und Graben verläuft, gehen inkognito sowohl der Stadtkommandant als auch der vizekönigliche Kammerherr ihrer Spitzeltätigkeit nach und verkaufen – Vorsicht, Austriazismen! – Fleischlaberl, Punschkrapferl und das Krawallblatt «Freie Zensur».
In der Mitte aber, dort wo später die Proszeniumslogen der Staatsoper und dazwischen auch ein fideles Gefängnis auftauchen werden, prangt zunächst das riesige Wahlplakat seiner Exzellenz mit dem Slogan: «Peru darf nicht Österreich werden!» Selbstredend entpuppt sich in Nikolaus Habjans Inszenierung von «La Périchole» genau dieser Schaden als längst und unwiderruflich angerichtet: Lima ist Wien, da fährt die ÖBB (Österreichische Bundesbahn) drüber.
Das Theater an der Wien wagt sich in seiner Ausweichspielstätte im Museumsquartier also an Offenbach und seine Opéra-bouffe – und verzichtet dabei sogar in den Gesangsnummern auf das buchstabengetreue Französisch. ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Walter Weidringer
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