Nur ein Traum?
«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie hier gegen die Vorlage die von Natalie und der Kurfürstin ausgesprochene Utopie, «dass die Empfindung einzig retten kann».
Ebenso bewusst allerdings hat Henze das Schlussensemble so vertont, dass man vom Text nichts mehr versteht. Stephan Kimmig geht in seiner Stuttgarter Inszenierung, die auch noch die letzten Anklänge an «Kriegszucht und Gehorsam» löscht, einen entscheidenden Schritt weiter. Am Ende bilden alle Spieler eine Gemeinschaft, tragen Slogans wie «Freiheit», «Welt» und «Wir» auf ihren Shirts oder halten wie bei einem Fußballspiel ihre bunten Schals in die Luft und fordern «Mitgefühl», «Fantasie», «Diversity», «Solidarność», «Fraternité». Ein Schluss, dessen schneidender Doppelsinn alles in der Schwebe hält und noch das explizite Bekenntnis zweifelnd ironisiert. Der letzte Übertitel zitiert Bachmann: «Sie alle ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
«Ein Schiff wird kommen», sang weiland Lale Andersen in Sehnsucht nach dem einen, «den ich so lieb’ wie keinen». Einen solchen erträumt sich ja auch Senta in Wagners «Fliegendem Holländer»; in Aron Stiehls Inszenierung an der Wiener Volksoper kommt er allerdings ohne Schiff, dafür quasi als Wiedergänger von Caspar David Friedrichs Wanderer. Man sieht ihn bereits...
Warum nur kommen Baraks Brüder eigentlich einarmig, einäugig und bucklig daher? Ganz einfach: Die drei schrundigen Gestalten sind versehrte Veteranen des Ersten Weltkriegs, mittellos heimgekehrt und nun aufgenommen im Unterschichtenhaushalt des Färbers und der Färberin. Brigitte Fassbaender erhellt in ihrer Kieler Inszenierung sogleich das symbolverschwurbelte...
