Nur ein Traum?
«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie hier gegen die Vorlage die von Natalie und der Kurfürstin ausgesprochene Utopie, «dass die Empfindung einzig retten kann».
Ebenso bewusst allerdings hat Henze das Schlussensemble so vertont, dass man vom Text nichts mehr versteht. Stephan Kimmig geht in seiner Stuttgarter Inszenierung, die auch noch die letzten Anklänge an «Kriegszucht und Gehorsam» löscht, einen entscheidenden Schritt weiter. Am Ende bilden alle Spieler eine Gemeinschaft, tragen Slogans wie «Freiheit», «Welt» und «Wir» auf ihren Shirts oder halten wie bei einem Fußballspiel ihre bunten Schals in die Luft und fordern «Mitgefühl», «Fantasie», «Diversity», «Solidarność», «Fraternité». Ein Schluss, dessen schneidender Doppelsinn alles in der Schwebe hält und noch das explizite Bekenntnis zweifelnd ironisiert. Der letzte Übertitel zitiert Bachmann: «Sie alle ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» hat in Frankreich gerade Konjunktur. Zwei Monate vor dem Festival in Aix-en-Provence, bei dem Andrea Breth ihre Stuttgarter Deutung erneut vorlegen wird (am Pult: Ingo Metzmacher), war das Stück nun bereits im Pariser Théâtre de l’Athénée zu erleben, das sich unter der Leitung seines Direktors Patrice Martinet seit Jahren verstärkt dem...
Schon die Antike wusste es: «Wen die Götter lieben, der stirbt jung.» Sprich, wer auf dem Höhepunkt seines Ruhms stirbt, hat bessere Chancen, selbst in den Kreis der Götter und Heroen aufgenommen zu werden. Das gilt unter massenmedialen Bedingungen auch für den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der nicht zuletzt aufgrund seiner Ermordung am 22. November...
Schöner war Hoffnung wohl nie: «Zieh Gedanke, auf gold’nen Schwingen, / zieh und ruhe auf Fluren und Hügeln! / Lass die Sehnsucht den Lauf dir beflügeln, / bis zu Zions Gebirge und Tal.» Mögen diese luziden Verse nicht jedem Erdenbürger vertraut sein, die Musik dazu ist es mit ziemlicher Gewissheit – das Fis-Dur-Largo aus Verdis «Nabucco» zählt zu den...
