Kein Schiff
«Ein Schiff wird kommen», sang weiland Lale Andersen in Sehnsucht nach dem einen, «den ich so lieb’ wie keinen». Einen solchen erträumt sich ja auch Senta in Wagners «Fliegendem Holländer»; in Aron Stiehls Inszenierung an der Wiener Volksoper kommt er allerdings ohne Schiff, dafür quasi als Wiedergänger von Caspar David Friedrichs Wanderer. Man sieht ihn bereits zur Ouvertüre als Schatten in Rückenansicht, der sich in völliger Entschleunigung durch einen Zeittunnel tastet.
Wenn er dann stattlich im Gehrock (Kostüme: Franziska Jacobsen) vor uns erscheint, wirkt er nicht unbedingt wie der Ahasverus der Meere, eher als eine Art väterlicher Entrepreneur auf Weltreise.
Kein Schiff also. Bloß hin und wieder der Ausblick aufs Meer in nördlichen Breiten. Ein abstraktes Interieur, das uns stilistisch an die 1960/70er-Jahre erinnert, hat Frank Philipp Schlößmann auf die Bühne gepackt. Von «Seelenräumen» spricht Regisseur Stiehl; im «Fliegenden Holländer» gibt es in dieser Hinsicht ja auch einiges abzuhandeln, Eros und Thanatos, Lebenssinn. Schade nur, dass die Inszenierung sich diesen ewigen Fragen im Wesentlichen über konventionelle Arrangements und Gesten nähert. Einzelne starke Bilder ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Gerhard Persché
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Seine Inszenierungen sorgen regelmäßig für Kontroversen. Weil sie Stoffe, Stücke und Charaktere bis auf den Kern abklopfen. Was bedeuten kann, dass – wie im Fall von Verdis «Traviata» – auf der Bühne nur die Hauptfigur in Erscheinung tritt oder – wie bei Mozarts «Don Giovanni» – der Held durch Abwesenheit glänzt. Es sind radikale Deutungen, die Benedikt von Peter...
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