Nur die Musik glüht
Wie Schillers Schauspiel ist auch Verdis «Don Carlos» ein Liebes- und Familiendrama in den Dimensionen einer politischen Tragödie. Christof Hetzers Bühne für die Stuttgarter Neuinszenierung zeigt einen leeren, nach allen drei Seiten abgeschlossenen Raum, den der Lichtgestalter Alex Brok oft in ein diffus glimmendes Dunkel hüllt. Dominiert und strukturiert wird er durch eine hohe, schwarze, sich immer wieder nach vorne schiebende Wand, die das Öffentliche vom Privaten trennt.
Eine glänzende Idee, die allerdings nicht aufgeht, weil Regisseurin Lotte de Beer die Dramaturgie von Verdis pessimistischstem Werk umdreht. Agieren bei Verdi alle Personen zwar im Bezugsrahmen der Politik, aber aus privaten, emotionalen Gründen, so schrumpfen sie hier zu Schachfiguren einer in einem Fantasie-Spanien der nahen Zukunft angesiedelten religiösen Diktatur. Das verkleinert sie und nimmt ihnen die tragische Fallhöhe.
Carlos ist ein zuckender, schizophrener Autist, der Psychopharmaka schluckt; Posa ein smarter, revolutionäre Sprüche klopfender Narzisst, der sich schnell vom Establishment korrumpieren lässt; König Philipp eine Marionette in den Händen des zynischen Großinquisitors – seine ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
Einer der herrlichsten Einstiege des Theaters findet sich in George Taboris schwarzhumorigen «Goldberg-Variationen». Auf einer schwarzen Leinwand erscheint in weißer Leuchtschrift der Satz «Gott ist tot. (Nietzsche)». Kurz darauf erlischt die Schrift. Pause, Dunkel. Dann erneut ein Satz, diesmal unterzeichnet vom Ausgelöschten höchstselbst: «Nietzsche ist tot.»...
Forschend blickt Christian Gerhaher auf dem Cover dem Betrachter ins Auge, an einen aufmerksamen Psychiater gemahnend. Wer könnte der Patient sein? Robert Schumann selbst? Clara? Wohl sind die «Myrthen», op. 25, die der Komponist seiner geliebten Braut 1840 am Vorabend der Hochzeit metaphorisch ins Haar wand, «eines der schönsten je einem liebend geliebten...
Herr Ranisch, Sie haben an der Bayerischen Staatsoper einige kleine Stücke inszeniert, dazu Haydns «Orlando Paladino» für die Münchner Opernfestspiele, im Frühjahr 2020 machen Sie «Rigoletto» in Lyon als Koproduktion mit München: Sie werden ja richtig etabliert ...
Ob und wann der «Rigoletto» in München zu sehen sein wird, steht in den Sternen. Nikolaus Bachler war...
